G7 Risiko Assessment der Tschadsee-Region

Lake Chad – Tackling Climate-Fragility Risks

Die Tschadsee-Region erlebt derzeit die weltweit größte humanitäre Katastrophe. Ungefähr 10,7 Millionen sind auf sofortige humanitäre Hilfe angewiesen. Die Gruppe der 7 (G7) hat ein Projekt unter der Leitung von adelphi ins Leben gerufen, in dem ein Risiko Assessment der Klima-Fragilitätsrisiken durchgeführt werden soll.

  • 80-90% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, Fischerei oder Viehzucht.
  • 7,1 Millionen Menschen verfügten in 2017 nicht über ausreichend Nahrungsmittel.
  • 2,6 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben (Quelle: FAO).

Die derzeitige Krise in der Tschadsee-Region wurde durch die Gewalttaten bewaffneter Gruppen wie Boko Haram verschärft. Die Ursachen reichen jedoch weiter zurück und haben ihren Ursprung in tief verwurzelten Entwicklungsproblemen. Ungleichheit ist weit verbreitet und Jahrzehnte politischer Marginalisierung vieler Gemeinden hat in der Bevölkerung das Gefühl von Ausgeschlossenheit hervorgerufen und Misstrauen gegenüber der Regierung geschürt. Zusätzlich sieht sich die Region mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert.

Die resultierende Ressourcenknappheit, unsicheren Lebensbedingungen und extreme Armut verschärfen wiederum Konflikte zwischen Viehhirten, Landwirten und Fischern. Zusätzlich führen die erschwerten Lebensbedingungen dazu, dass Jugendliche anfälliger sind für die Rekrutierung durch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen, wie beispielsweise Boko Haram, und geneigt sind, durch rechtswidrige Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt zu sichern.  Hierdurch werden wiederum bewaffnete Konflikte begünstigt und innerstaatliche sowie grenzüberschreitende Vertreibung verstärkt, so dass eine Negativspirale von Fragilität und Gewalt in Gang gesetzt wird. Die Auswirkungen des Klimawandels auf Staat und Gesellschaft in der Tschadsee-Region werden diese Spannungen weiter verschärfen.

Insurgency report graphic - adelphi

Die internationale Gemeinschaft, Geberorganisationen und nationale Regierungen haben verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um der humanitären Krise in der Region Herr zu werden. Trotz des bedeutenden Einflusses, den der Klimawandel auf die Konfliktsituation in der Region hat, gibt es aber bislang weder eine umfassende Analyse noch einen Prozess, der die Rolle des Klimawandels oder geeignete Antworten darauf angemessen berücksichtigt.

Das Projekt

Das G7 Risiko Assessment der Tschadsee-Region beabsichtigt, die kritische Wissenslücke zwischen Theorie und Praxis im Bereich der Klima- und Fragilitätsrisiken durch abgestimmtes Handeln zeitnah und handlungsorientiert zu schließen. Das Assessment der Tschadsee-Region wird prozessorientiert, in lokale Gegebenheiten eingebettet und auf integrierte Weise durchgeführt. Das Projekt zielt darauf ab:

  1. Schnittstellen zwischen Klima-Fragilitätsrisiken und Möglichkeiten der Resilienzstärkung zu identifizieren
  2. Substantielle Handlungsempfehlungen für außenpolitische Entscheidungsträger zu formulieren für ein  effektives Engagement in der Region

Die Grundlage des Assessments bildet der von den G7-Staaten beauftragte Bericht A New Climate For Peace, dessen Schlussfolgerungen auf die Tschadsee-Region angewendet werden.

Das Projekt wird die Konferenzen im Rahmen der Planetary Security Initiative (PSI) 2017 und 2018 als Plattform nutzen, um sowohl Wissen zu generieren und zu validieren als auch die Herangehensweise des Projekts und seine Ergebnisse mit der globalen „Community of Practice“ aus dem Bereich Klima und Sicherheit zu teilen.

Vorgehensweise

Das Assessment erfolgt in diesen Schritten:

  • Eine umfassende Analyse der vielschichtigen und verzahnten Klima- und Fragilitätsrisiken, basierend auf Primärdaten und einem stark partizipatorischen Prozess.
  • Eine Überprüfung von politischen Leitlinien, Strategien, Initiativen und Programmen der G7-Staaten sowie nationaler Regierungen aus der Region und anderer wichtiger Akteure, wie der EU und der Weltbank, inwieweit diese Klima-Fragilität berücksichtigen.
  • Empfehlungen für zukünftige politische Leitlinien der Außenministerien und Geber sowie praktische Empfehlungen für Umsetzungsorganisationen zum Umgang mit Klima- und Sicherheitsrisiken in der Tschadsee-Region.

Zeitrahmen

Vorbereitungsphase: 4. September bis 31. Dezember 2017

Durchführung des Assessments: Januar 2018 bis Juni 2019

Partner

Das Assessment wird von einem Konsortium führender Forschungsinstitute, unter der Leitung von adelphi, durchgeführt:

  • adelphi wird für das Projektmanagement, die Entwicklung des Untersuchungsdesigns, das Klima- und Fragilitätsassessment und die Formulierung der Abschlussdokumente verantwortlich sein.
  • Das Institut de recherche pour le développement (IRD) (Frankreich), mit seiner Expertise zu den klimatischen Bedingungen in der Tschadsee-Region, erstellt die Baseline zur Klima- und Umweltsituation.
  • Das Woodrow Wilson Center wird die Analyse, die Überarbeitung des Berichts und die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.

Lokales Wissen und Ownership werden durch ein Rechercheteam vor Ort unter der Leitung eines Experten für Konfliktanalyse aus Maiduguri gewährleistet, sowie lokalen Partnern des IRD und der Tschadseebeckenkommission (Lake Chad Basin Commission).

Soziale Medien

Die Twitteraccounts @adelphi_berlin und @ClimateDiplo sowie der Hashtag #LakeChad informieren Sie über die aktuellen Entwicklungen in der Tschadsee-Region und die Fortschritte des Projekts.

Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, können Sie den Newsletter “Environment, Conflict and Cooperation” abonnieren, der alle zwei Monate erscheint. Auf der Website www.ecc-platform.org finden Sie weitere vertiefende Artikel und Videos zum Thema Klima und Sicherheit.

Weitere Informationsmaterialien von adelphi zur Situation in der Tschadsee-Region

Ausgewählte Projekte

Ausgewählte Publikationen