"Loss and Damage": Den Schäden des Klimawandels effektiv begegnen

flood waters overtake a house in Thailand form above view

Stets sind die Auswirkungen des Klimawandels mit Schadens- und Verlustrisiken verbunden, die unvermeidlich sind. Mit dem "Loss and Damage"-Konzept versuchen Akteure weltweit diesen Risiken effektiv zu begegnen. adelphi unterstützt die Ausgestaltung des Konzepts und erstellt umfassende L&D-Gutachten.

Das Konzept der "Schäden und Verluste" ist nicht neu. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde diese Problematik erstmals von Vanuatu im Auftrag der Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) in die internationalen Verhandlungen zur Klimarahmenkonvention (UNFCCC) eingebracht. Dennoch dauerte es bis ins Jahr 2007, bevor das Thema  auf der 13. Konferenz der Vertragsstaaten (COP13) als Konzept international anerkannt und in den sogenannten "Bali-Aktionsplan" aufgenommen wurde.

Seither steigt weltweit die Aufmerksamkeit für L&D – mit Fortschritten bei den internationalen Klimakonferenzen. So wurde im Jahr 2013 auf der COP19 der Internationale Warschau-Mechanismus zu klimabedingten Schäden und Verlusten (WIM) etabliert. Nachdem bei der COP20 in Lima der vorläufige Arbeitsplan des WIM bestätigt und das Exekutiv-Komitee aufgestellt wurde, fand das erste Treffen dieses Komitees bereits im September 2015 in Bonn statt.

Ergebnisse der COP21 sind bedeutend für die Zukunft des L&D-Konzeptes

Welche Fortschritte im Rahmen des WIM gemacht wurden, wird erst im Rahmen der COP22 im November 2016 überprüft. Dennoch ist zu erwarten, dass bereits die Ergebnisse der Pariser Klimakonferenz in diesem Jahr von Bedeutung für die Zukunft des L&D-Konzepts sind.

Das anvisierte Pariser Klimaabkommen wird die Weichen für zukünftige klimapolitische Maßnahmen stellen und darüber entscheiden, welche Rolle Anpassung und Klimaschutz zukünftig spielen werden. Dabei gilt es, folgende grundsätzliche Frage zu beantworten: In welchem Bezug soll L&D zu diesen beiden Themen stehen? L&D ist Bestandteil des Cancun Adaptation Frameworks und wurde daher bislang als Teil von Klimawandelanpassung behandelt. Hierbei offenbaren sich jedoch zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen: Aus Sicht der Mehrheit der Industrieländer deckt der WIM die L&D-Problematik bereits ausreichend ab. Entwicklungsländer jedoch fordern, dass L&D zukünftig als eigenständiges Thema auf einer Stufe mit Anpassung und Klimaschutz behandelt wird.

Vor diesem Hintergrund unterstützt adelphi Durchführungsorganisationen und Entwicklungsländer in verschiedenen Etappen der Weiterentwicklung und Anpassung des Konzepts an länderspezifische Kontexte.

1. Ausgestaltung des L&D-Konzepts

Trotz der fortwährenden internationalen Diskussion existiert bis heute keine allgemeingültige Definition des Konzepts. Darüber hinaus gibt es noch keine standardisierte Methode zur Bewertung von aktuellen und künftigen Schäden und Verlusten und auch die Ansätze zum Umgang mit dem Thema müssen weiterentwickelt werden. Aus diesem Grund unterstützt adelphi die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Entwicklung eines konzeptionellen L&D-Ansatzes.

» Entwicklung eines Diskussionspapiers zu Schäden und Verlusten durch den Klimawandel

2. Länder- und sektorenspezifische Analysen

Aktuell sind die Erfahrungen mit der Identifizierung und Bewertung von L&D auf nationaler und sub-nationaler Ebene noch sehr begrenzt. Daher hat adelphi bereits gemeinsam mit der GIZ eine Sondierungsmission auf ausgewählten Pazifischen Inseln durchgeführt. Darüber hinaus erstellte adelphi im Auftrag der GIZ eine L&D-Studie für ausgewählte indische Bundesstaaten.

» Loss and Damage-Analyse für ausgewählte Pazifikinseln

» Entwicklung einer Studie zu klimabedingten Schäden und Verlusten in Indien

3. Von Katastrophenvorsorge und Klimaanpassung lernen

Klimabedingte Schäden und Verluste können durch globale Klimaschutzbemühungen teilweise vermieden werden. Außerdem kann L&D durch Klimawandelanpassung und Katastrophenvorsorge reduziert werden. Für die Analyse und die Entwicklung spezifischer Instrumente für zukünftiges L&D steht bereits eine ganze Reihe von bekannten und erprobten Vulnerabilitäts- und Risikoanalysemethoden, Vorsorgeinstrumenten, Klimaanpassungsmaßnahmen und Katastrophenhilfemechanismen zur Verfügung. adelphi verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in den Arbeitsbereichen Katastrophenrisikomanagement und Klimaanpassung in verschiedenen Kontexten. So begleitet adelphi z.B. aktiv den Aufbau von Katastrophenvorsorge- und Frühwarnsystemen in Burundi, Guatemala und Madagaskar. Darüber hinaus hat adelphi mehr als 70 Anpassungsmaßnahmen in Indien umgesetzt.

» Aufbau des burundischen Frühwarnsystems für Klimarisiken

» Anpassung an den Klimawandel in Indien (AdaptCap)

4. Lösungen für den Umgang mit "residual L&D" finden

Zusätzlich zum Abbau aktueller Hindernisse und der Ausweitung der Aktivitäten in den Bereichen Klimaanpassung und Katastrophenvorsorge müssen neue Lösungen im Umgang mit Restrisiken von L&D (residual L&D) gefunden werden. Hier bieten sich unter anderem soziale Sicherungssysteme und Risikotransfermechanismen an. In diesem Kontext unterstützt adelphi derzeit das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die GIZ bei einer Projektprüfung zur Erarbeitung des deutschen Beitrags zur G7-Initiative "InsuResilience".

Ausgewählte Publikationen