Nachhaltiger Umgang mit Wasser als Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise

Boat stranded during a drought

Der Klimawandel bedroht die Wassersicherheit – umgekehrt erhöht Wassersicherheit die Klimaresilienz. Das Thema des diesjährigen Weltwassertages „Wasser und Klimawandel“ will auf die immensen Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von sauberem Wasser aufmerksam machen – aber auch auf die entscheidende Rolle, die nachhaltiges Wassermanagement für die Vermeidung des Klimawandels und die Anpassung daran spielt. adelphi erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wassermanagement und Klimawandel. Für politische Entscheidungsträger/-innen und Akteur/-innen aus der Praxis entwickeln wir Empfehlungen, wie Klimaresilienz gesteigert werden kann.

Wasser- und Klimakrise können am besten gemeinsam gelöst werden

Wasserunsicherheit und Klimawandel haben sich zu den größten Risiken für die Menschheit entwickelt, wie das Weltwirtschaftsforum in seinem jüngsten Global Risk Report belegt. Tatsächlich sind beide Themen eng miteinander verknüpft. Wasser ist das Medium, durch das sich der Klimawandel hauptsächlich manifestieren wird: Da der Klimawandel den Wasserkreislauf verändert, leiden einige Orte zunehmend unter Wasserknappheit, während andere von Überschwemmungen mit verheerenden Folgen getroffen werden. Dadurch wird es nicht nur schwieriger, die Gesellschaft mit sauberem Wasser zu versorgen, sondern auch einige der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu erreichen, zum Beispiel Ziele zum Schutz der biologischer Vielfalt oder für die Energiesicherheit. Die Dürre, die Europa 2018 heimsuchte, oder der „Day Zero“ in Südafrika 2019 sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie sehr der Klimawandel die Wassersicherheit gefährdet. Gelingt es nicht, Wasserprobleme zu lösen, wird es aber gleichzeitig unmöglich, die ehrgeizigen Anpassungs- und Klimaschutzziele des Pariser Abkommens noch zu erreichen.

Mit dem Motto „Wasser und Klimawandel“ diesjährigen Weltwassertages signalisieren die Vereinten Nationen, dass diese beiden Krisen nur gemeinsam gelöst werden können: Auch wenn jede Krise für sich genommen bereits groß genug erscheint, können manche Probleme nur durch ein gemeinsames Vorgehen wirksam gelöst werden. Ein gemeinsamer Ansatz bietet zudem viele Chancen und Vorteile gegenüber Alleingängen.

In unserer interdisziplinären Forschungs- und Beratungsarbeit konzentrieren wir uns derzeit auf drei Handlungsfelder, in denen Wasser und Klimawandel gemeinsam angegangen werden müssen: 

  • Auswirkungen der wasserbezogenen Klimaanpassung auf nachhaltige Entwicklung und Sicherheit; 
  • Umgang mit Unsicherheiten in der Vorhersage des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf Wasserressourcen;
  • Poteniale zur Minderung von wasserbezogenen Treibhausgasemissionen.

Wassermanagement – das zentrale Handlungsfeld für sektor-übergreifende Klimaanpassung mit weitreichenden Auswirkungen für nachhaltige Entwicklung und Sicherheit

Wie verwundbar wasserabhängige Sektoren gegenüber den Folgen des Klimawandels sind, hängt davon ab, wie sie Wasserressourcen bewirtschaften und mit wasserbezogenen Risiken umgehen; ein nachhaltiges Wassermanagement wird ihre Klimaresilienz erhöhen. Der Schutz von Grundwasser sorgt beispielsweise für eine strategische Reserve für die landwirtschaftliche Bewässerung in Dürrezeiten. Unsere Analysen zeigen, dass wasserbezogene Klimaanpassungsmaßnahmen (sowie Klimaschutzprojekte) viele weitere Vorteile mit sich bringen, zum Beispiel für die Armutsbekämpfung oder den Naturschutz. Ein Versagen bei der Klimaanpassung kann wiederum gravierende Folgen haben. Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts CASCADES analysiert adelphi, wie der Klimawandel in Regionen außerhalb Europas zu Risiken für Handel, Finanzen und Sicherheit in der EU führen kann. Aufbauend auf Wirkungsketten, wie in Abbildung 1 dargestellt, werden Empfehlungen für die Politik entwickelt, damit diese effektive Anpassungsmaßnahmen vorbereiten kann.

Abbildung 1: Ein Beispiel für grenzüberschreitende Klimaauswirkungen: Dürre und Lebensmittelpreise (Quelle: Hilén et al. 2020)

Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserressourcen müssen angemessen berücksichtigt werden

Viele Wasserinfrastrukturen oder Bewirtschaftungspläne von Flussgebieten werden immer noch geplant, ohne Klimarisiken ausreichend zu berücksichtigen. Für viele Regionen ist nicht genau vorhersehbar, wie sich wasserbezogene Klimaveränderungen entfalten werden. Deshalb braucht es Risikobewertungen, die die Unsicherheiten des zukünftigen Klimas und der Wasserverfügbarkeit berücksichtigen. Solche Risikobewertungen müssen in Projekte wie den Bau von Staudämmen oder die mittel- bis langfristige Wasserversorgung von Anfang an einbezogen werden. Da gewisse Unsicherheiten jedoch immer bestehen bleiben, müssen Anpassungsmaßnahmen so entworfen werden, dass sie den sich dynamisch entwickelnden ökologischen (und auch sozialen) Bedingungen Stand halten, oder müssen flexibel angepasst werden können. Ansatzpunkte dafür werden in einem Policy Brief des Projekts IMPREX zusammengefasst. Es zeigt auf, wie der Einsatz probabilistischer Vorhersagen helfen kann, mit Unsicherheiten im Hochwasserrisikomanagement umzugehen.

Das Klimaschutzpotenzial im Wasserbereich wird noch nicht genutzt

„Wenn es beim Klimaschutz um Energie geht, dann geht es bei der Klimaanpassung um Wasser!“, wird häufig zitiert. Diese Aussage trifft auch weitgehend zu. Nichtsdestotrotz kann die Wasserwirtschaft beim Klimaschutz ebenfalls eine wichtige, aber noch unterschätzte Rolle spielen. Dies legt unter anderem eine Studie dar, die adelphi für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verfasst hat. Nachhaltiges Wassermanagement ist entscheidend für den Erhalt kohlenstoffreicher, wasserabhängiger Ökosysteme wie zum Beispiel Moore. Darüber hinaus können Wasserversorgungsunternehmen ihren Energieverbrauch durch effiziente Technologien stark reduzieren und Biogas aus Abwasser gewinnen. Die meisten Kläranlagen in Europa nutzen diese Energiepotenziale noch nicht aus, auch wenn der Sektor bereits positive Entwicklungen vorweisen kann. Dies ist ein zentrales Ergebnis des Projekts REEF2W, in dem adelphi untersucht, wie der Politikrahmen aussehen muss, um die Energieeffizienz des EU-Abwassersektors zu steigern. Dringenden Handlungsbedarf gibt es auch in der internationalen Klimapolitik. Beispielsweise werden die energetischen Einsparungspotenziale des Abwassersektors in aktuellen Berichten des Weltklimarats (IPCC) nicht berücksichtigt. Somit können sie nicht in den Nationalen Klimaschutzzielen der Länder (NDCs) geltend gemacht werden – der Hauptsäule des Pariser Abkommens.

Es braucht dringend eine gemeinsame Wasser-Klima-Vision in Politik und Praxis

Die untrennbaren Zusammenhänge zwischen Klima und Wasser sind schon länger bekannt, doch nur langsam dringt eine gemeinsame Vision in Politik und Praxis durch. Eine der Schlüsselbotschaften des Weltwassertages 2020 ist daher: „Wir können es uns nicht leisten zu warten“. Auch der IPCC-Sonderbericht von 2018 hat deutlich gemacht, dass das Zeitfenster, in dem wir die globale Erwärmung wirksam begrenzen können, äußerst knapp ist. Allerdings sind Institutionen des Wassersektors alleine kaum in der Lage, Klimamaßnahmen im nötigen Tempo voranzutreiben. Sie müssen durch Akteure im Klimabereich unterstützt werden, wie unsere Studie für die GIZ betont, beispielsweise indem Wasserprojekte für die Klimafinanzierung förderfähig gemacht werden. Außerdem müssen Politikinstrumente wie die NDCs die wichtige Rolle von klimawirksamen Maßnahmen im Wassersektor anerkennen.

Gleichzeitig darf hoher Handlungsdruck nicht zu unüberlegtem Aktionismus führen. Maßnahmen müssen auf einer robusten wissenschaftlichen Basis und vorausschauender Planung fußen. Während etwa die Wasserkraft der wichtigste Erzeuger erneuerbarer Energie ist, bringt sie häufig enorme Umweltzerstörung und fragwürdige Umsiedlungsprojekte mit sich. Bislang werden diese Folgen in Planungsvorhaben vieler Staudämme immer noch unzureichend berücksichtigt. Dadurch stehen Klimaschutzziele im direkten Konflikt mit anderen SDGs.

Ansprechpartner/-in: Annika KramerAndré Müller, Dennis Tänzler

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