Vulnerabilität Deutschlands: Fokus Starkregen

Starkregen Deutschland

Auch in Deutschland werden Extremwetterereignisse weiter zunehmen. Wie verwundbar wir sind, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die mithilfe von Vulnerabilitätsanalysen erfasst werden können. So sind beispielsweise vor allem urbane Gebiete von Starkregenereignissen betroffen. adelphi hat in neuer Forschung den aktuellen Stand der Starkregenvorsorge in Deutschland ermittelt und Empfehlungen für Anpassungsstrategien formuliert, die für einzelne Bürgerinnen und Bürger genauso relevant sind wie für Länder und Unternehmen.

Die Folgen des Klimawandels sind auch in Deutschland zu spüren. Das Jahr 2018 war sowohl das wärmste als auch das niederschlagärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1881. Gleichzeitig gingen im späten Frühjahr 2018 vor allem im Süden und Westen Deutschlands zahlreiche schwere Gewitter nieder, oft verbunden mit Hagel und sintflutartigem Regen. Solche Extremwetterereignisse werden auch in Deutschland weiter zunehmen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel muss daher unser Verständnis zur Vulnerabilität Deutschlands kontinuierlich aktualisiert werden, um wirkungsvolle Anpassungsmaßnahmen entwickeln zu können.

Die Dimensionen der Vulnerabilität

Wie verwundbar wir sind, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Diese werden häufig nach drei Aspekten unterteilt:

  • wie betroffen ist eine Region oder ein Land von sich wandelnden klimatischen Parametern wie Niederschlag oder Temperatur („klimatischer Einfluss“ und „räumliche Exposition“);
  • wie empfindlich reagiert eine Region oder ein Land auf solche Veränderungen („Sensitivität“) und
  • welches Potenzial weist eine Region oder ein Land auf, den negativen Folgen zu begegnen beziehungsweise mögliche positive Auswirkungen zu nutzen („Anpassungskapazität“).

Vulnerabilitätsanalysen helfen, diese Faktoren systematisch zu untersuchen und effektive Anpassungsstrategien zu entwickeln. Nur so können unsere Kommunen, Städte, Länder und Unternehmen ihre Zukunft nachhaltig planen.

adelphi führend im Bereich Vulnerabilitätsanalysen in Deutschland

Als Teil der deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel wurde auf Bundesebene beschlossen, alle fünf bis sieben Jahre eine Analyse zur Verwundbarkeit Deutschlands durchzuführen. Bereits im Jahr 2015 hat adelphi im Auftrag des Umweltbundesamts eine Vulnerabilitätsanalyse veröffentlicht. Auch für die Jahre 2018 bis 2021 wurde adelphi mit der Leitung der Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalyse beauftragt, die im Jahr 2021 veröffentlicht wird. Weiterhin hat adelphi für Bundes- und Landesbehörden einen Leitfaden für Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalysen entwickelt. Dieser kann auf regionaler und nationaler Ebene bei der Erstellung von Analysen herangezogen werden, da er bereits vorhandene konzeptionelle und methodische Ansätze zusammenfasst.

Aktuell im Fokus: Starkregen und seine Folgen in Deutschland

Diese Kompetenzen im Bereich Vulnerabilität hat adelphi nun gebündelt, um die Verwundbarkeit Deutschlands gegenüber Starkregen genauer zu erforschen. Von Starkregen wird gesprochen, wenn innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich große Mengen an Niederschlag auftreten. Die Folgen von heftigen Regenfällen reichen von Überschwemmungen, Schäden an Infrastrukturen, dem Überlaufen der Kanalisation bis hin zu Bodenerosion und Hangrutschungen. Im Bericht zur „Vorsorge gegen Starkregenereignisse und Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung“ sowie in einem Impulspapier zur klimaresilienten Stadtentwicklung wurden daher unter anderem der aktuelle Stand der Starkregenvorsorge in Deutschland ermittelt sowie Empfehlungen für Anpassungsstrategien entwickelt.

car rides in heavy rain on a flooded road

Starkregen ist schwer vorhersehbar und verursacht große Schäden

Bereits heute entstehen durch Starkregen hohe Sachschäden. So meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zuletzt, dass sich die Schadenssumme von Unwettern mit Starkregen im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht hat. Die Gefahrenzonen lassen sich dabei nicht geografisch auf Fluss- oder Küstenregionen eingrenzen. Gerade urbane Gebiete sind durch den hohen Versiegelungsgrad, konzentrierte Infrastruktur sowie der hohen Bevölkerungsdichte besonders betroffen. Gleichzeitig sind Starkregenereignisse schwer vorhersehbar, da sie – man denke an Sommergewitter – oftmals sehr kleinräumig auftreten. Zudem lässt sich schwer vorhersagen, wo Starkregenereignisse auftreten werden – vergangene Regengüsse sind hierfür kein Indikator.

Zukünftige Handlungsbedarfe zum Schutz vor Starkregen

Die Einschätzung der Gefährdung spezifischer Orte sowie die Kommunikation über Risiken durch Starkregen werden daher als besonders wichtig erachtet. Als ein entscheidendes Vorsorgeinstrument gelten dabei Starkregengefahrenkarten. Auf diesen Karten sind die Flächen dargestellt, die besonders von Überflutungen betroffen sein könnten. Vereinzelt wurden diese bereits von Kommunen erstellt. Jedoch fehlt es bisher an einheitlichen Empfehlungen und Mindeststandards. Diese Standards und Empfehlungen würden jedoch zu einem verbesserten Risikomanagement beitragen, da sie Bürgerinnen und Bürger sowie Anwenderinnen und Anwendern aus verschiedenen Fachbereichen – beispielsweise aus dem Bauwesen oder aus öffentlichen Verwaltungen wie dem Wasserwirtschaftsamt und dem Grünflächenamt – an die Hand gegeben werden könnten.

Weiterhin könnten diese Karten einen weiteren wichtigen Zweck erfüllen: die Sensibilisierung der gesamten Bevölkerung für Starkregen. Die Fähigkeit zur Selbsthilfe und die Eigenvorsorge der Bevölkerung gehören zu den wichtigsten identifizierten Anpassungsmaßnahmen in Hinblick auf Starkregen. Jedoch fehlt es bisher an geeigneten Maßnahmen, mit denen Deutschlands Verwundbarkeit gegenüber Starkregen in der Breite kommuniziert und damit die so wichtige Eigenvorsorge angeregt wird.

Vulnerabilität Deutschlands durch den Ausbau von Anpassungskapazitäten mindern

Die Berichte adelphis zeigen also auf, dass die Vulnerabilität Deutschlands gegenüber Extremwettereignissen wie Starkregen durchaus beeinflusst werden kann. Entscheidend hierfür ist neben der klimaresilienten Stadtentwicklung auch das Starkregenrisikomanagement, bei dem die Standardisierung von Starkregengefahrenkarten eine genauso zentrale Rolle spielen muss wie Kommunikationsstrategien, die zur Sensibilisierung und damit Eigenvorsorge der Bevölkerung beitragen. So könnte die Anpassungskapazität erhöht und damit die Vulnerabilität Deutschlands vermindert werden.

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