Besser raus aus der Krise: Wirtschaftsaufschwung durch grüne Konjunkturprogramme

Farmerline, Uganda (SEED Award Winner 2016)

Die Pandemie verursacht gesundheitliche und wirtschaftliche Probleme, doch ermöglicht auch, die Wirtschaft durch grüne Konjunkturprogramme anzukurbeln. Die Initiative SEED setzt sich genau dafür ein, indem sie umwelt- und sozialbewusste Unternehmen fördert und politische Akteure zusammenbringt.

10.08.2020

Bei seinem alljährlichen Treffen arbeitet das High-level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) daran, die Agenda des UN-Systems für nachhaltige Entwicklung stetig zu verbessern. In diesem Jahr organisierte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Zusammenarbeit mit SEED das Side Event „Recovering Better: Global opportunities for jumpstarting the real economy“ während des HLPF 2020, das Mitte Juli stattfand.
 
Internationale Führungskräfte diskutierten dabei Möglichkeiten der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie, die auf den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beruht. Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch Erfolgsgeschichten von umwelt- und sozialbewussten Unternehmen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vorgestellt, die von SEED unterstützt werden.

Konsens unter den Teilnehmenden: SDGs und Pariser Abkommen sind Grundlage für die wirtschaftliche Erholung

Die Teilnehmenden des Side Events waren einig, dass die Länder, wenn sie sich von den Folgen der COVID-19-Pandemie erholen, nur dann allgemeinen Wohlstand sichern und Resilienz aufbauen können, wenn sich die internationale Gemeinschaft weiterhin den SDGs und dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet. „Die Agenda 2030 und das Pariser Abkommen sind unsere Fahrpläne für einen besseren Wiederaufbau", erklärte Joyce Msuya, stellvertretende Exekutivdirektorin von UNEP. „Sie legen die soziale Grundlage sowie die Grenzen für die lebenserhaltenden Funktionen des Planeten fest. Doch wir müssen uns weiterhin auf die Akteure der Realwirtschaft konzentrieren – die kleinen und mittleren Unternehmen eingeschlossen“, führte Joyce Msuya weiter aus. Lewis Akenji, Executive Director von SEED, warnte davor, dass lokale Akteure bei der wirtschaftlichen Erholung von COVID-19 übersehen werden könnten. Die Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) bei der Erfüllung sozialer und ökologischer Ziele, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Förderung wirtschaftlicher Gerechtigkeit sowie von Gleichstellung müssten von Regierungen erkannt werden. Er führte weiterhin aus, dass KMUs im Zentrum politischer und finanzieller Maßnahmen stehen und jene Mittel erhalten müssten, die sie für ihre Entwicklung benötigten.

Stephan Contius, Deutschlands Beauftragter für die Agenda 2030 im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, unterstrich die Überzeugung seines Landes, dass die „SDGs ein kollektiver Kompass für den Weg aus dieser COVID-19-Krise“ seien. Er betonte, dass es jetzt vorrangig darum gehe, Kapital zur Verfügung zu stellen. Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), fügte hinzu, dass die SDGs und das Pariser Abkommen die Grundlage eines neuen Sozialvertrags für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sein könnten, weg von wirtschaftlichen Sparmaßnahmen und hin zu Gerechtigkeit und Widerstandsfähigkeit.

Öko-inklusive Unternehmen teilten ihre Erfolgsgeschichten und Vision für einen grünen Aufschwung – ausgerichtet an den SDGs

Auf dem Side Event präsentierte SEED ein Video mit inspirierenden Beispielen für die Erholung von Unternehmen nach der Pandemie im Einklang mit den SDGs.

Das Unternehmen Frontiers Markets liefert Solarenergie-Produkte an einkommensschwache Familien im ländlichen Raum Indiens. Gemeinsam mit zehn weiteren Unternehmen führte es Hygienelösungen, lokalen Lebensmittelhandel und Fintech ein. Außerdem wurden Frauen in ländlichen Regionen für den Vertrieb nachhaltiger Produkte in entlegenen Gemeinden geschult. Durch die Unterstützung von Frauen sollen lebensnotwendige Dienstleistungen und finanzielle Sicherheit von ländlichen Haushalten gewährleistet werden. Frontiers Markets arbeitet im Einklang mit SDG 5 – Gleichheit der Geschlechter und SDG 7 – Günstige & saubere Energie.

Amazóniko ist ein Unternehmen, das in Bogotá (Kolumbien) innovative Technologie zur Aufklärung über und Optimierung von Recyclingprozessen einsetzt. Während der Pandemie stellte es fest, dass die Nachfrage nach wiederverwertbarem Abfallmaterial gesunken war. Gleichzeitig stieg jedoch die Abfallproduktion aufgrund der verstärkten Nutzung von Lieferdiensten an. Als Lösung wurden kontaktlose Dienstleistungen eingeführt, Sanitärpläne erstellt und Aufklärungsarbeit geleistet, um ein Ansteckungsrisiko zu verringern. Diese Maßnahmen sensibilisierten die Bevölkerung für ihre gesamte Abfallproduktion. Die Aktionen tragen zu SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden und SDG 12 – Verantwortungsvoll konsumieren und produzieren bei.

EcoPlastile ist ein Unternehmen aus Uganda, das in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Frauen Kunststoffabfälle sammelt und zu Bauelementen verarbeitet. Diese ersetzen Holzbalken und unhygienische Fußböden. Zu Beginn der Pandemie musste das Unternehmen schließen. Als es jedoch den Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung erkannte, begann es, Gesichtsmasken und Gesichtsschutzschilde aus Abfall herzustellen. Das Unternehmen trägt damit zu SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum sowie SDG 12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion bei. Franc Kamugyisha, CEO und Gründer von Ecoplastile, erklärt: „In Zukunft werden Unternehmen mit zirkulären Wertschöpfungsketten maßgeblich sein, um die UN-Agenda 2030 zu erreichen, weil sie Menschen, Profit und den Planeten in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. Dabei spielen wir alle eine Rolle.

Weitere Beispiele von Unternehmen und deren Beitrag für eine bessere Erholung nach der Pandemie finden Sie im Video auf der SEED-Website.

Globale Chancen für SDGs (GO4SDGs)

Die Veranstaltung diente auch als Einführung in das „Servicemenü“ der Initiative Globale Chancen for SDGs (GO4SDGs). Sie bietet eine Reihe von praktischen Instrumenten und Dienstleistungen, die Regierungen, KMUs, Jugendnetzwerke sowie Schulen und Universitäten dabei unterstützen sollen, den wirtschaftlichen Aufschwung und die Schaffung von Arbeitsplätzen nachhaltig anzukurbeln.

Im September 2019 riefen das deutsche Umweltministerium und UNEP die Initiative GO4SDGs ins Leben, um den Übergang zum integrativen grünen Wirtschaften und zu nachhaltigen Produktions- und Konsummustern zu beschleunigen. Regional sollen der Dialog und der Austausch über Best Practices gefördert werden, um zur Nachahmung und Skalierung anzuregen.

Über das Side Event

Das Side Event „Recovering Better“ wurde von UNEP und SEED mit Unterstützung des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und der Green Growth Knowledge Partnership (GGKP) organisiert. Eine vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung ist hier verfügbar.

Über SEED

adelphi ist Projektträger von SEED, einer globalen Partnerschaft zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und der Green Economy weltweit. SEED wurde im Rahmen des World Summit on Sustainable Development 2002 in Johannesburg gemeinsam vom United Nations Environment Programme (UNEP), dem United Nations Development Programme (UNDP) und IUCN (International Union for Conservation of Nature) gegründet. Derzeit wird SEED vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und der Regierung von Flandern finanziert. Seit 2006 unterstützt adelphi SEED als Implementing Partner und verantwortete die Durchführung mehrerer Programmkomponenten. 2013 hat adelphi die Projektträgerschaft übernommen und implementiert sämtliche Aktivitäten im Rahmen des SEED-Programms.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website von SEED.

Ansprechpartnerin: Linde Wolters