Bier und Klimawandel? adelphi-Experte Christian Kind erklärt die Zusammenhänge

Bier

Die Deutschen lieben ihren Gerstensaft und vor allem zur Wiesn-Zeit fließt das Bier in Strömen. 6,6 Millionen Maß wurden 2016 auf dem Oktoberfest ausgeschenkt. Doch auch das Bier bleibt vom Klimawandel nicht verschont. 

20.09.2017

Was das für die Bierbranche bedeutet, erklärt Christian Kind von adelphi. Er ist Experte für Fragen der Anpassung an den Klimawandel in Deutschland. In Kürze veröffentlichen Theresa Kaiser und er einen Fachartikel zum Thema "Exploring Economic Implications of Climate Change for the Value Chain of the Beer Sector", den sie jüngst bei der internationalen Konferenz "Beeronomics" vorgestellt haben.

Was hat der globale Klimawandel mit dem Bier aus dem Supermarkt zu tun?

Hopfen ist der wichtigste Geschmacksträger im Bier. Damit er gut gedeihen kann, bedarf es eines moderaten Klimas. Bei extremeren Wetterbedingungen wie anhaltender Trockenheit, Hitze oder Hagel kommt es schnell zu Ernteverlusten und Qualitätseinbußen. Der Hopfenanbau ist räumlich sehr konzentriert: Etwa 30 Prozent der globalen Produktion stammt aus der Hallertau, einer Region nördlich von München. In den vergangenen 15 Jahren wurden dort aufgrund der sommerlichen Hitze und Trockenheit immer häufiger Ernteeinbußen verzeichnet. Im Jahr 2014 zum Beispiel lag der Ertrag 26 Prozent unter der Erntemenge des Vorjahres. Die klimatischen Bedingungen, die dazu beigetragen haben, werden aufgrund des Klimawandels in Zukunft noch häufiger auftreten. Da davon auch andere Hopfenanbaugebiete betroffen sind, können mit dem Klimawandel Knappheiten entstehen, die letztlich zu Veränderungen bei Qualität und Preis des Endproduktes führen können.

Wie geht die Bierbranche mit Klimaveränderungen um?

Forschen, bewässern und handeln: Hopfenbauern sind dabei, trockenheitsresistentere Sorten zu entwickeln, die trotzdem hohe geschmackliche Qualitäten haben. Auch direkt auf dem Feld wird auf die klimatischen Veränderungen reagiert. In der Hallertau werden inzwischen 20 Prozent der Felder bewässert – vor 15 Jahren gab es noch keinerlei Bewässerung. Und man kann beobachten, wie bei Ernterückgängen etwa in Deutschland oder den USA die Importe an Hopfen aus anderen, weniger betroffenen Regionen steigen.

Welchen Forschungsbedarf seht Ihr in diesem Bereich?

Wir möchten untersuchen, wie die Akteure in der Wertschöpfungskette der Bierbranche Klimaveränderungen wahrnehmen, wie sie auf diese reagieren und vor allem, wer davon profitiert. Wenn die Anbaukosten aufgrund der Bewässerung steigen, wer trägt diese Kosten dann letztlich – sind es die Hopfenbauern oder werden die Kosten weitergereicht an die Hopfenhändler, die Brauereien, den Handel oder die Verbraucher? Auch über die genauen Zusammenhänge zwischen Wetterextremen und den Hopfenpreisen oder dem grenzüberschreitendem Handel mit Hopfen ist bisher wenig bekannt.

Wird Bier dann teurer?

Dagegen spricht, dass Hopfen in der Regel nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten eines Bieres ausmacht und Brauereien sich über Lagerhaltungen und langfristige Lieferverträge gegen Preisschwankungen absichern. Aber bei Bieren, die mit viel und qualitativ hochwertigem Hopfen gebraut werden – etwa das auch in Deutschland immer beliebter werdende Indian Pale Ale (IPA) – ist ein Preisanstieg vorstellbar. Das gilt vor allem für Biere aus kleineren Brauereien, die noch keine langfristigen Lieferbeziehungen aufgebaut haben.

Gerade bei den großen Biermarken wird man komplexe statistische Verfahren benötigen, um die Rolle von  Klimaveränderungen oder Wetterextreme bei Preisveränderungen zu bestimmen. Brauereien haben Preiserhöhungen zwar bereits öfters mit gestiegenen Rohstoffpreisen begründet, aber die Bierpreise im Supermarkt hängen letztlich von sehr vielen Faktoren ab – von den Lohnkosten bis hin zur Wettbewerbsstruktur.