CTI Workshop 2016: "Artikel 6 erfordert langfristige Vertrauensbildung"

Am 23. und 24. Juni 2016 hat adelphi den diesjährigen Workshop der Climate Technology Initiative (CTI) in Berlin organisiert und fachlich begleitet. Mehr als 60 Expertinnen und Experten aus 20 Ländern diskutierten wie Marktmechanismen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beitragen können.

28.06.2016

Das Pariser Abkommen, insbesondere Artikel 6, birgt ein signifikantes Potenzial für marktbasierte Klimaschutzansätze sowie zur Ambitionssteigerung. Gleichzeitig muss im Rahmen zukünftiger Klimaverhandlung an der konkreten Ausgestaltung eines Post-Kyoto-Kohlenstoffmarktes gearbeitet werden. Erst dann kann von einem operationalisierten neuen Marktmechanismus gesprochen werden.  Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der 16. Ausgabe des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) veranstalteten CTI Workshops am 23. und 24. Juni 2016 in Berlin.

Artikel 6: Großes Potenzial für Kooperationen im Kohlenstoffmarkt

Unter dem Titel "Modes of Cooperation after Paris – Market-based Approaches and Raising Ambition“ tauschten sich Politikexperten, Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Vertreter von Finanzinstitutionen über das Potenzial von marktbasierten Klimaschutzansätzen im Rahmen des Paris-Abkommens aus. Der Workshop befasste sich dabei sowohl mit konzeptionellen Herausforderungen des marktbasierten Klimaschutzes als auch mit praktischen Fragen, wie z.B. der Bedeutung von Marktmechanismen für die nationalen Minderungsbeiträge (Nationally Determined Contributions (NDCs)) und den Klimaschutz auf subnationaler Ebene. Auch technische Aspekte wie die Anrechnung von Minderungsbeiträgen und aktuelle Herausforderungen im Bereich Messung, Berichterstattung und Überprüfung (MRV) sowie die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen wurden im Rahmen des Workshops thematisiert. Zugleich nutzten die Teilnehmer den Workshop zum Erfahrungsaustausch.

Zum Auftakt des zweitägigen Workshops diskutierten die Experten die Bestimmungen des Pariser Abkommens für marktbasierte Ansätze. Sie kamen zu dem Schluss, dass Artikel 6 ein großes Potenzial für internationale Kooperation auf dem Kohlenstoffmarkt sowie zur Ambitionssteigerung birgt. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, seien jedoch noch weitere gemeinsamen Anstrengungen zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Marktmechanismus nötig. Zudem müsse bei allen Stakeholdern das Vertrauen in eine neue Kohlenstoffmarktstruktur gestärkt werden.

Accounting und MRV ernst nehmen, um „heiße Luft“ zu vermeiden

In weiteren Präsentationen und Diskussionsrunden wurde zweierlei deutlich: Zum einen zeigte sich, dass der Schwung von Paris und den Bottom-Up-Initiativen über die Einreichung nationaler Minderungsbeiträge (NDCs) nicht durch langwierige und ergebnislose Folgeverhandlungen gebremst werden sollte. Zum anderen wurde aber auch deutlich, dass technische Fragen wie Accounting sowie Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung (MRV) konsequent verfolgt werden müssen, um „heiße Luft“ und Doppelanrechnungen von Emissionseinsparungen zu vermeiden. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen haben die Teilnehmer dazu aufgerufen, aus den Erfahrungen mit den Kyoto-Mechanismen (CDM, JI, ETS) zu lernen.

Der zweite Workshoptag konzentrierte sich auf die Rolle von Städten und Regionen im Pariser Abkommen sowie auf Finanzierungsthemen. In der ersten Session erklärten Vertreter von Städtenetzwerken und Landesregierungen, dass lokale Klimapolitik einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung nationaler Minderungsziele sowie zur Ambitionssteigerung beitragen kann. Ihrer Ansicht nach können Städte und Regionen beispielsweise als „Laboratorium“ für den Einsatz marktbasierter Klimaschutzinstrumente dienen.  Als zentrale Herausforderung sehen sie nach wie vor die begrenzten finanziellen Kapazitäten vieler Kommunen.

Zum Abschluss des Workshops stellten Vertreter von privaten und öffentlichen Finanzinstitutionen mögliche Lösungsansätze zur Überwindung der Klimafinanzierungslücke vor. Dabei bezogen sie sich u.a. auf grüne Anleihen und ergebnisbasierte Finanzierungsmodelle.

Wie schon in den vergangenen Jahren übernahm adelphi auch 2016 die organisatorische, technische und fachliche Planung des Workshops, die Auswahl der Teilnehmer und Referenten sowie die Durchführung des CTI-Workshops im Auftrag des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).