Der 1. Koreanisch-Deutsche Energietag fand in Incheon, Südkorea statt

Technische Experten und Delegierte trafen sich am 2. Mai 2018 in Incheon, Songdo Convensia, um Herausforderungen und Lösungen der Energiewende in Deutschland und Korea zu diskutieren.

09.05.2018

Sowohl Korea als auch Deutschland wollen den Einsatz erneuerbarer Energien deutlich erhöhen, die Nutzung der Kernenergie schrittweise einstellen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Beim ersten "Koreanischen Deutschen Energietag" diskutierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung vor rund 100 Teilnehmern über Herausforderungen und Lösungen für ihre zukünftigen kohlenstoffarmen Energiesysteme. Es wurden Erfahrungen und politische Strategien beider Länder in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz vorgestellt. Dabei wurden auch regionale Perspektiven mit Beispielen aus Seoul und Niedersachsen berücksichtigt. Der Energietag fand am 2. Mai 2018 in Incheon, Songdo Convensia, im Rahmen der International Renewable Expo & Conference (REECON) statt. Der Energietag wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem koreanischen Ministerium für Handel, Industrie und Energie (MOTIE) ausgerichtet und von adelphi und der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer organisiert. Während des Energietages wiesen Delegierte der Ministerien und technische Experten darauf hin, wie wichtig es ist, stabile Bedingungen und langfristige Ziele zu schaffen, damit Unternehmen sichere Signale für Investitionen in Energiewendetechnologien erhalten. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass die Energiewende nicht nur erneuerbare Energien, sondern auch Energieeffizienz umfasst. Die Nachfrageseite müsse viel stärker berücksichtigt werden, um ein nachhaltiges und kohlenstoffarmes Energiesystem zu realisieren. Neben dem Stromsektor sollten auch die Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie in den Prozess der Energiewende einbezogen werden. Zur Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit wollen BMWi und MOTIE eine formelle Energiepartnerschaft abschließen. Während die koreanische Energiewende noch in den Kinderschuhen steckt, kann Deutschland, wo erneuerbare Energien im Jahr 2017 rund 36% des Bruttostromverbrauchs abdeckten, Einblicke in Lessons-learned und systemischen Herausforderungen geben, denen sich Politik und Marktteilnehmer in einem sich wandelnden Energiesystem stellen müssen.

Korea will erneuerbare Energien ausbauen

Die koreanische Regierung beschloss im Mai 2017, die Erzeugung erneuerbarer Energien im Strommix von rund 5% auf 20% im Jahr 2030 zu erhöhen. Nach dem im Dezember 2017 veröffentlichten Entwurf des Umsetzungsplans "Erneuerbare Energien 3020" sollen die erneuerbaren Produktionskapazitäten bis 2030 um 48,7 GW erhöht werden. 19,9 GW sollen durch die Installation von Solarmodulen für den privaten Gebrauch in ländlichen Gebieten und kleinen Projekten und 28,8 GW durch Großprojekte der großen Energieversorger erreicht werden. Solarenergie soll 63% und Windenergie 34% der geplanten Leistungssteigerung ausmachen. Der Entwurf sieht außerdem die Einführung einer Einspeisevergütung für kleine PV-Produzenten und die Anhebung der obligatorischen erneuerbaren Energieversorgungsrate für große Stromerzeugungsunternehmen von derzeit 5% auf 28% bis 2028 vor.

Hindernisse für die koreanische Energiewende

Um die Energiewendeziele zu erreichen, muss sich Korea mehreren Herausforderungen stellen. Da etwa 70% der Fläche Südkoreas von Bergen bedeckt ist, ist das Land für den Bau großer Wind- und Solarparks begrenzt. Daher könnten Offshore-Windparks und Solaranlagen auf Dächern sowie gebäudeintegrierte Photovoltaik eine große Rolle spielen. Die Situation Koreas als Halbinsel ohne Zugang zu den Strommärkten der Nachbarländer macht es zudem schwieriger, Schwankungen in der Produktion variabler erneuerbarer Energien auszugleichen und erfordert daher unterschiedliche Flexibilitätsoptionen für die Integration variabler erneuerbarer Energien (wie Speicherlösungen und Nachfragesteuerung) in einem relativ frühen Stadium der Energiewende. Darüber hinaus sollten zur Verwirklichung des Ziels der erneuerbaren Energien Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Beteiligung der Bevölkerung durchgeführt werden, da die öffentliche Akzeptanz der erneuerbaren Energien in Korea im Vergleich zu vielen anderen entwickelten Ländern noch relativ gering ist. Um erneuerbare Energien und Emissionsminderungsziele zu erreichen, ist auch die Steigerung der Energieeffizienz ein wichtiger Faktor. Allerdings setzen die Energiewendekonzepte der koreanischen Regierung bisher keinen Schwerpunkt auf Energieeffizienz und die staatlich festgelegten niedrigen Strompreise geben keine Anreize für energieeffizientes Handeln.