Dezentrale Mehrleiter-Wärmenetze – energetisch reizvoll, aber auch politisch machbar?

Innovative dezentrale Wärmenetze versprechen viele Vorteile. Sie setzen auf erneuerbare Energien, sollen die Energieeffizienz erhöhen und zugleich als Wärmespeicher dienen. Aber wie können solche Wärmenetze politisch zielführend gefördert werden? Dieser Frage widmet sich das Projekt "LowExtra".

09.02.2015

Üblicherweise wird Fernwärme in großen, zentralen Heiz(kraft)werken erzeugt, die mit fossilen Energieträgern oder Biomasse betrieben werden. Diese Wärme wird anschließend von dezentralen Verbrauchern, vor allem von Gebäuden, zur Deckung des Raumwärmebedarfs und der Trinkwassererwärmung abgenommen. Mit neuartigen Mehrleiter-Netzen wäre es theoretisch möglich, diesen Bedarf mit Wärme aus dezentralen Anlagen abzudecken. In solch intelligenten Netzen werden Wärmeverbraucher wie große Gebäude oder auch einzelne Haushalte gleichzeitig auch zu Produzenten (Prosument). Die Systemgrenze könnte zum Beispiel ein Stadtquartier sein, in dem verschiedene Prosumenten mit unterschiedlichen Verbrauchs- und Erzeugerprofilen gekoppelt sind. Als Wärme erzeugende Technologien kommen Solarthermie, Wärmepumpen, Brennwert-Kessel oder Mini-BHKWs in Frage.

adelphi realisiert das politische Modul von "LowExTra"

Das "LowExtra"-Forschungsprojekt untersucht die Machbarkeit von solchen Mehrleiter-Netzen aus technischer, ökonomischer, politischer und partizipativer Perspektive. Im Fokus der Aufgaben von adelphi stehen dabei alle Aspekte einer umfassenden Politikanalyse. Welche gesetzlichen Regelungen und politischen Förderinstrumente sind beispielsweise notwendig, um Gebäudeeigentümer und Netzbetreiber zum Eintritt in ein solches innovatives Mehrleiter-Wärmenetz zu bewegen? Um Lösungen für diese Frage zu entwickeln, wird im ersten Schritt eine Bestandsaufnahme der aktuellen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten durchgeführt. Im zweiten Schritt entwickelt adelphi eine strukturierte Darstellung der Akteurs-, Regelungs- und Förderlandschaft. Darauf aufbauend werden im dritten Schritt Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Das auf drei Jahre ausgelegte Forschungsvorhaben wird innerhalb des 6. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Zu den Projektpartnern gehören neben dem Berliner Think Tank adelphi das Hermann-Rietschel-Institut der Technischen Universität Berlin (technisches Modul), das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (ökonomisches Modul) und das nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung (partizipatives Modul).