ICAP Status Report 2017: Aufstieg der Schwellenländer im globalen Emissionshandel

Mit Einführung des neuen Emissionshandelssystems (EHS) in China sind ab 2017 über 15 Prozent der weltweiten Emissionen von EHS abgedeckt. Die beteiligten Länder und Bundesstaaten machen fast die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts aus. Mexiko und China sind aktuelle Hotspots der Entwicklung.

15.02.2017

Der am 15. Februar veröffentlichte “International Carbon Action Partnership’s (ICAP) Status Report 2017” wirft aktuelle Schlaglichter auf die Entwicklung des Emissionshandels als Kerninstrument im Klimaschutz. Mit Einführung des nationalen EHS in China im Laufe dieses Jahres wird Emissionshandel mehr als 15 Prozent der weltweiten Emissionen abdecken und in Ländern im Einsatz sein, die nahezu die Hälfte des weltweiten BIP ausmachen.  Der ICAP Status Report gibt einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen im Emissionshandel, liefert detaillierte Datenblätter zu allen existierenden oder sich im Aufbau befindlichen Systemen weltweit und beleuchtet die wichtigsten globalen Trends und politische Debatten. Der diesjährige Bericht konzentriert sich auf drei Hauptthemen: Emissionshandel in Schwellenländern, Marktstabilität und internationale Zusammenarbeit.

Schwellenländer: Eine neue Generation von EHS

Die größte Dynamik im Bereich Emissionshandel sieht der Bericht für das Jahr 2017 in Schwellenländern in Asien und Lateinamerika. Dort muss das Instrument auf einen Kontext angepasst werden, in dem Emissionen und lokale Umweltverschmutzung reduziert werden, aber gleichzeitig weiterhin dynamisches Wirtschaftswachstum ermöglicht werden soll. Der Höhepunkt 2017 wird der Auftakt des nationalen chinesischen EHS, das den größten Kohlenstoffmarkt weltweit schaffen wird. Im Bericht erörtern Experten der chinesischen Politikberatung Sinocarbon, Qian Guoqiang und Huang Xiaochen, vier zentrale Aufgaben der chinesischen Regierung vor dessen Start : die Schaffung einer Rechtsgrundlage für das EHS, die  Sammlung der zugrunde liegenden Emissionsdaten, sowie der Aufbau eines nationalen Registers und von Handelsplattformen. Mexiko hat ebenfalls rasche Fortschritte bei der Entwicklung eines nationalen Kohlenstoffmarktes gemacht und die Grundlage für ein künftiges nationales EHS geschaffen, wie von Victor Escalona, Sean Donovan und Saul Pereyra vom Mexikanischen Ministerium für Umwelt und Natürliche Ressourcen (SEMARNAT) beschrieben wird.

Etablierte Instrumente für das Management des Zertifikatsmarktes

In einigen Systemen sind die Preise niedriger als erwartet. Dies hat Debatten über die Wirksamkeit, Ziele und Preise im Emissionshandel ausgelöst. Als Antwort darauf wurden in verschiedenen Systemen Instrumente für das Management des Zertifikatsmarktes etabliert. In der EU konzentrieren sich die bisherigen Interventionen auf die Angebotsmenge, während Mechanismen in Nordamerika den Preis der Zertifikate regulieren. Vor diesem Hintergrund diskutieren Cécile Goubet und Anaïs Maillet vom Französischen Umweltministerium das Potenzial für die Einführung einer Preisuntergrenze für das EHS in der EU. In Korea gibt es hingegen ein Vergabe-Kommittee, das einen erherblichen Spielraum für Martkinterventionen besitzt. Auf die ersten zwei Jahre des koreanischen EHS zurückblickend stellt Il-Young Oh vom Koreanischen Ministerium für Strategie und Finanzen fest, dass sich die Preise im Vergleich zu anderen EHS-Preisen im oberen Spektrum bewegen, bei gleichzeitig hoher Erfüllungsquote seitens der Unternehmen. 

Internationale Zusammenarbeit ist entscheidend 

Während sich bestehende Systeme weiterhin neuen Herausforderungen stellen und neue Systeme entstehen, sind internationaler Dialog und Kooperation der Schlüssel zum Erfolg des Emissionshandels. Entsprechende Netzwerke sind auf allen Ebenen von immenser Bedeutung. Wie Akiko Miura vom Tokyo Metropolitan Government skizziert, stellt Tokio seine Expertise als weltweit erstes stadtweites EHS anderen Verwaltungsbereichen in Asien, wie Korea, China und Malaysia, zur Verfügung, um bewährte Methoden und die Bereitschaft zur Errichtung von EHS zu fördern. Nicolas Muller vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen zeigt im einzelnen, wie Artikel 6 des Pariser Übereinkommens den Ländern die Möglichkeit zur Kooperation bietet, um so die Ziele ihrer national festgelegten Klimaschutzbeiträge (NDCs) zu erreichen, beispielsweise indem sie ihre EHS miteinander verknüpfen. 

Zur Unterstützung dieser Prozesse bringt ICAP weiterhin politische Entscheidungsträger aus der ganzen Welt zusammen, um Erfahrungen und Erkenntnisse über EHS auszutauschen. ICAPs technischer Dialog, der sich auf spezifische EHS-Themen konzentriert, wie die Verknüpfung und Festlegung eines langfristigen CO2-Preises, bietet den ICAP-Mitgliedern die Möglichkeit, sich zu guter Praxis im Emissionshandel auszutauschen und diese  weiterzuentwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von ICAP sind Kapazitätsaufbaumaßnahmen in Form von Schulungen, bei denen sich Entscheidungsträger aus Schwellen- und Entwicklungsländern mit den Bausteinen eines EHS vertraut machen können, um ein für ihre Region passendes EHS zu gestalten.

» Download ICAP Status Report 2017


Über ICAP

Die International Carbon Action Partnership bringt regionale, nationale und subnationale Regierungen und staatliche Stellen aus der ganzen Welt zusammen, um wichtige Aspekte der Ausarbeitung von Emissionshandelssystemen (EHS) und Wege zu einem globalen Kohlenstoffmarkt zu diskutieren. Seit der Gründung im Jahr 2007 sind 31 nationale und subnationale Regierungen ICAP beigetreten. Weiterführende Informationen.

Weitere Informationen: www.icapcarbonaction.com