Kann eine Stadt nachhaltig sein? Diskussion zum neuen „State of the World" in Berlin

Am 7. Juni haben adelphi, die GIZ und das Worldwatch Institute den neuen „State of the World“ im GIZ-Haus präsentiert. Im Fokus der diesjährigen Ausgabe steht die Frage „Can a City be Sustainable“, welche ebenfalls im Fokus der Diskussion von Experten für Nachhaltige Entwicklung stand.

09.06.2016

Urbanisierung ist einer der bestimmenden Trends unserer Zeit: Die Bevölkerung in Städten wächst unentwegt und ihr Bedarf an natürlichen Ressourcen steigt. Globale Herausforderungen erfordern daher zunehmend urbane Lösungen. Um der nachhaltigen Entwicklung von Städten einen globalen Rahmen zu geben, wird im Oktober 2016 auf der UN-Konferenz für Wohnungswesen und nachhaltige Stadtentwicklung (Habitat III) die „New Urban Agenda“ verabschiedet, deren Entwurf aktuell international diskutiert wird.

Vor diesem Hintergrund stellten am Dienstag, den 7. Juni 2016 die Berliner Denkfabrik adelphi, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das US-amerikanische Worldwatch Institute den „State of the World 2016“ in Berlin vor. Anlässlich der offiziellen Vorstellung des diesjährigen Sammelbands mit dem Titel „Can a City be Sustainable?“ diskutierten Michael Renner (Worldwatch Institute), Sabine Drewes (Heinrich-Böll-Stiftung), Prof. Günter Meinert (GIZ) und Franziska Schreiber (adelphi) die Ergebnisse des Reports und analysierten sie im Lichte der aktuellen Entwicklung.

Im Fokus der Diskussion: Erwartungen an die „New Urban Agenda“

Angelehnt an den Titel des „State of the World“ konzentrierte sich die Diskussion zunächst auf übergeordnete Fragen: Was macht eine Stadt zu einer nachhaltigen Stadt? Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein? Was sind aktuelle Herausforderungen, welche Städte heute meistern müssen. In diesem Zusammenhang wurde auch beleuchtet, inwieweit die Flüchtlingskrise seit 2015 die Vorstellung von nachhaltiger Stadtentwicklung verändert hat. Aus aktuellem Anlass war der Habitat-III-Prozess, die Erwartungen an die „New Urban Agenda“ und die Anforderungen an eine internationale nachhaltige Stadtentwicklungspolitik zentraler Gegenstand der Diskussion.

Auch wenn am Ende manche Fragen offen bleiben mussten, waren sich die Diskutanten in einem Punkt mit dem Publikum einig: Zwar verhandeln aktuell in erster Linie Nationalstaaten die “New Urban Agenda“ und damit die Vision einer Stadt von morgen. Dennoch kann jegliches Abkommen nur dann gelingen, wenn Städte und Kommunen bereits im Vorfeld in den politischen Prozess eingebunden sind, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine erfolgreiche Implementierung der „New Urban Agenda“ garantieren.

"State of the World" als multidisziplinäre Umschau 

Der „State of the World“ ist ein Sammelband des Worldwatch Institute, welcher jedes Jahr Beiträge internationaler Experten eines Fachbereichs versammelt, um den aktuellen Stand der Forschung und politischer Diskussionen abzubilden. Im diesjährigen Report werden die Kernprinzipien nachhaltiger Stadtentwicklung untersucht und Vorreiterstädte identifziert, die sie in die Praxis umgesetzt haben. Auf diese Weise fügen sich die Beiträge zu einer multidisziplinären Umschau querschnittartiger Betrachtungen: von den Grundlagen des Abfallmanagements über die Weiterentwicklung des öffentlichen Transports bis hin zu Themen wie Bürgerbeteiligung und dem Umgang mit dysfunktionaler Regierungsführung. Im Gesamtergebnis gibt State of the World anregende Schnappschüsse von heutigen Städten und erzeugt zugleich eine Vision von globaler Nachhaltigkeit von morgen.

Weitere Informationen zum „State of the World – Can a City be Sustainable?“ finden Sie unter www.canacitybesustainable.org.

Siehe auch adelphi's BeitragSchreiber, Franziska and Alexander Carius 2016: The Inclusive City: Urban Planning for Diversity and Social Cohesion. In: Worldwatch Institute (Hrsg.): State of the World: Can a City Be Sustainable?. Washington D.C.: Worldwatch Institute, S. 123-141.