Klima und Sicherheit im Südkaukasus begegnen

Aufbauend auf früheren Arbeiten der OSZE stellen zwei neuen Berichte die Ergebnisse von zwei umfassenden Konsultationsprozessen vor und untersuchen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Armenien und Georgien sowie zwischen Aserbaidschan und Georgien.

04.10.2021

Die Redewendung „Der Klimawandel kennt keine Grenzen“ sowie die daraus abgeleiteten Aufforderungen zur internationalen Zusammenarbeit gewinnen in klimasensiblen und grenzüberschreitenden Regionen die beispielsweise von Wäldern, Weideland und Gebirgen geprägt sind eine besondere Relevanz. Für Bestrebungen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Frieden und Sicherheit anzugehen, gilt dies gleichermaßen.

adelphi und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) arbeiten im Südkaukasus mit einer breiten Gruppe von Akteurinnen und Akteuren zusammen, um geteilte Klimasicherheitsrisiken in der Region zu analysieren und gemeinsame Lösungen zu finden. Aufbauend auf früheren Arbeiten der OSZE stellen zwei neuen Berichte die Ergebnisse von zwei umfassenden Konsultationsprozessen vor und untersuchen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Armenien und Georgien sowie zwischen Aserbaidschan und Georgien.

Die Konsultationsprozesse waren Teil des gemeinsamen OSZE-adelphi-Projekts „Stärkung der Maßnahmen gegen Sicherheitsrisiken des Klimawandels in Südosteuropa, Osteuropa, dem Südkaukasus und Zentralasien“, das 2020 gestartet ist. Ein ähnlicher Konsultationsprozess, bei dem es um Klima und Sicherheit in Südosteuropa ging, wurde im Frühjahr 2021 abgeschlossen.

Der Klimawandels kann sicherheitspolitische Auswirkungen haben

Es gibt keinen Ort auf der Erde der nicht vom Klimawandel betroffen ist. Nach den jüngsten Erkenntnissen des IPCC wird es in vielen Teilen der OSZE-Region sowie in angrenzenden Gebieten vermehrt zu Dürreperioden und feuerbegünstigenden Wetterlagen kommen. In Hochgebirgsregionen wird es in den kommenden Jahren zu verstärktem Permafrostrückgang und zu einer Zunahme extremer Niederschlagsereignisse kommen.

Diese Projektionen bringen eine Reihe von Sicherheitsrisiken mit sich. In hochgelegenen Gebieten könnten der Rückgang von Permafrost sowie häufigere und intensivere Niederschläge Berghänge destabilisieren, mehr Erdrutsche auslösen und somit Menschenleben in diesen Gebieten bedrohen. Dürreperioden könnten verheerende Folgen für landwirtschaftliche Lebensgrundlagen sowie hydrologische und ökologische Systeme haben. Die wachsende Bedrohung durch Waldbrände könnte zu großen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Schäden führen.

Gemeinsame Klimasicherheits-Hotspots und Themen im Südkaukasus

Die Verringerung des Katastrophenrisikos (Disaster Risk Reduction, DRR), insbesondere im Hinblick auf Wald- und Flächenbrände, gehört zu den wichtigsten Prioritäten der Zusammenarbeit zwischen Armenien und Georgien. Darüber hinaus wurde im Rahmen des bilateralen Konsultationsprozesses erneut bestätigt, dass Nordarmenien und Südgeorgien als gemeinsamer Hotspot für Klimawandel und Sicherheit gelten. Dieser Hotspot beherbergt das grenzüberschreitende Khrami-Debed-Flussbecken und könnte neben DRR auch von einer Zusammenarbeit im Bereich der nachhaltigen und klimaresistenten Landwirtschaft profitieren, da dieser Sektor für die Wirtschaft des Hotspots von großer Bedeutung ist.

Der Konsultationsprozess in Aserbaidschan und Georgien ergab, dass DRR mit einem besonderen Schwerpunkt auf Wald- und Flächenbränden als Thema für die Zusammenarbeit im Vordergrund stehen sollte, wobei der Nordwesten Aserbaidschans und der Nordosten Georgiens als gemeinsamer Klima-Sicherheits-Hotspot hervorgehoben wurden. Da Landwirtschaft und Viehzucht eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der relativ dichtbesiedelten Hotspot-Region spielen, wurden auch nachhaltige Landwirtschaft und Landmanagement als wichtige Themen für die Zusammenarbeit genannt. Darüber hinaus beherbergt der Hotspot das grenzüberschreitende Flussbecken des Alazani/Ganykh, welches weitere Kooperationsmöglichkeiten bietet.

Ein Blick in die Zukunft: Kollektives Handeln zur Bewältigung von Klimasicherheitsrisiken gewinnt an Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene

Während die jüngsten Klimaprojektionen nichts Gutes für die Welt verheißen, gewinnen kooperative Maßnahmen zu Bewältigung von Klimasicherheitsrisiken auf politischer Ebene an Bedeutung. Dies spiegelt sich in der laufenden Berliner Konferenz zu Klima und Sicherheit (BCSC) wider, die nun schon im dritten Jahr stattfindet und bei der Vertreterinnen und -vertreter von Regierungen sowie Nichtregierungsorganisationen Erkenntnisse austauschen und Wege für den Aufbau gemeinsamer Ansätze zur Bewältigung von Klimasicherheitsrisiken diskutieren.

Die Generalsekretärin der OSZE, Helga Maria Schmid wird am 7. Oktober 2021 an einer hochrangigen virtuellen Diskussion der BCSC teilnehmen, bei der es darum gehen wird, wie regionale und nationale Institutionen einen umfassenden Sicherheitsansatz angesichts des Klimawandels voranbringen. In der Sitzung wird auch erörtert, welche Lehren aus verschiedenen Regionen und Institutionen gezogen werden können und wie die nächsten Schritte für die internationale Gemeinschaft aussehen könnten.

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Die OSZE und adelphi werden die zweite Phase des Projekts im Südkaukasus in diesem Sinne weiterführen. Es werden konkretere Maßnahmen für die Region erarbeitet, zum Beispiel Vorstudien für bilaterale Kooperationen in Armenien und Georgien sowie in Aserbaidschan und Georgien.