Methoden-Werkstatt: Aktivierung der Teilnehmer als Leitprinzip

Wie sensibilisiere und motiviere ich Menschen für energie- und klimabewusstes Verhalten? Mit methodischen Überraschungseiern und neuen interaktiven Ansätzen gingen dieser Frage am 6. Februar 2018 rund 40 Teilnehmende in Wuppertal nach.

14.02.2018

Die Energiewende ist ein gesellschaftlicher Lernprozess, der formelle und informelle Lern- und Bildungsprozesse der Menschen einschließt. Die Nationale Top Runner Initiative (NTRI) lud deshalb zusammen mit der EnergieAgentur.NRW zur Methoden-Werkstatt „Energiewende im Kopf“ ein. Die Veranstaltung mit rund 40 Teilnehmern widmete sich einer Fragestellung, die im Kontext der Energiewende eine immense Tragweite hat: Welche Seminar- und Workshop-Methoden regen die Teilnehmer in besonderer Weise an, das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen und – im besten Fall – zu verändern?

Pestalozzi 4.0 – oder: Der Lernbegriff in der Neurobiologie

Laut neurophysiologischer Lernforschung verbindet das menschliche Gehirn jene Nervenzellen stabil miteinander, die gleichzeitig von Reizen aktiviert werden: Der Mensch koppelt Mimik, Körperhaltungen, Bewegungen, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle usw. zu neuronalen Netzen. „Diese Erkenntnis lässt sich als neurobiologische Übersetzung von Pestalozzis ‚Lernen mit Hirn, Herz und Hand‘ lesen, sie dient uns bei der Konzeption von Seminaren und Workshops als wertvoller methodisch-didaktischer Bezugspunkt“, erklärt Diplom-Pädagoge Tom Küster von der EnergieAgentur.NRW. Demnach reicht es nicht aus, Folieninhalte vorzutragen, wenn man Menschen dazu bewegen möchte, ihr Denken und Handeln zu hinterfragen: „Selbstreflexion, Bildungsprozesse und Verhaltensänderungen werden begünstigt durch die konsequente Aktivierung und Beteiligung der Teilnehmer – sei es auf mentale, emotionale oder physische Art und Weise.“

Teilnehmende zwischen Aktion und Aha-Erlebnissen

Der adelphi Senior Projektmanager Gunnar Will von der Nationalen Top Runner Initiative, der die Methoden-Werkstatt moderierte, zog ein positives Fazit der Veranstaltung: „Es ist beeindruckend, selbst die Erfahrung zu machen, wie zum Beispiel innere Bilder dabei helfen, etwas in kurzer Zeit zu lernen. Genau diese Art von Aha-Erlebnissen wollten wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglichen und ich denke, das ist uns mit der Methodenwerkstatt gelungen.“ Nach dem „Learning by doing“-Prinzip demonstrierte Tom Küster die Anwendung von rund einem Dutzend aktivierender, jedoch weithin unbekannter Seminarmethoden. So mussten die Teilnehmer bei einer Methode versuchen, zehn Bäume in fünf Reihen mit je vier Bäumen zu pflanzen (das geht tatsächlich) – um zu erleben, wie sehr alte Denkmuster den Menschen einschränken können. Eine andere Methode ließ die Anwesenden körperlich erfahren, wie angenehm eine Gewohnheit und wie unangenehm Ungewohntes sein kann. Eine weitere Sequenz wiederum machte die Erkenntnis der Hirnforschung erlebbar, dass nicht der Verstand, sondern Emotionen die Grundlage menschlicher Motivationen sind. Und wieder eine andere Methode vermittelte den Teilnehmern, welch immensen Vorteil Bilder und Visualisierungen im Vergleich zu Worten haben – und warum der Grundsatz „Bild schlägt Text“ vor allem für Lern- und Bildungsprozesse gilt.

Emanzipation von PowerPoint

„Alle Methoden hatten eines gemeinsam: Die Teilnehmer konnten einzelne, für die ‚Energiewende im Kopf‘ relevante Aspekte durch geeignete Methoden selber erleben“, erläutert Gunnar Will. „Für eine solch konsequente Teilnehmeraktivierung muss der Referent aber imstande sein, sich von PowerPoint zu emanzipieren.“ Denn Seminarfolien sind ein tendenziell referentenzentriertes Medium, das am ehesten für Impuls-Präsentationen und andere Input-Sequenzen geeignet ist – doch kaum als Mittel zur Aktivierung der Teilnehmer.