Neuseeland und Deutschland starten Energie-Dialog über Wasserstoff-Projekte

Neuseeland und Deutschland intensivieren die Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff. Beide Länder wollen die Produktion und Nutzung von Wasserstoff stark ausbauen, um die Klimaziele zu erreichen und die Dekarboniserung der Wirtschaft voranzutreiben. Der Rückblick auf ein Webinar.

06.12.2021

Die Zauberformel lautet schlicht „H2“. Der Stoff, aus dem grüne Träume entstehen, lebenswertere Visionen für die nahe Zukunft – in zwei Worten: erneuerbarer Wasserstoff. Deutschland und Neuseeland wollen künftig vor allem die vielfältigen Potenziale des grünen Hoffnungsträgers nutzen, um ihre Energie-, Industrie- und Verkehrsinfrastrukturen klimaneutral und energieeffizient umzuwandeln. Dafür wollen die beiden Länder nun auch enger bilateral kooperieren.

Das virtuelle Kick-off-Event für die deutsch-neuseeländischen Wasserstoff-Kooperation fand am 17. November 2021 statt. Zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der neuseeländischen Botschaft in Berlin, und der Deutsch-Neuseeländischen Außenhandelskammer (AHK) richtete adelphi den ersten, öffentlichen „German-New Zealand Energy Dialogue“ aus. Im Fokus der Informations- und Networking-Veranstaltung stand die erst kürzlich vom BMWi herausgebrachte Förderrichtlinie für internationale grüne Wasserstoffprojekte.

Deutschlands nationale Wasserstoffstrategie

Trotz der geografischen Distanz und des gewaltigen Zeitunterschieds konnten sich Franziska Teichmann, Senior Manager bei adelphi und Leiterin des deutschen Sekretariats für die Energiekooperation mit Australien und Neuseeland in Sydney, sowie Erin Daly, Head of Consulting, und Iris Heinz, Senior Consultant bei der AHK, darüber freuen, zahlreiche interessierte Teilnehmende zum Austausch begrüßen zu dürfen. Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung, stellte adelphis Energie-Expertin die Nationale Wasserstoffstrategie Deutschlands (NWS) vor. Mit jener will die Bundesregierung laut BMWi einen „Handlungsrahmen für die künftige Erzeugung, den Transport, die Nutzung und Weiterverwendung von Wasserstoff und damit für entsprechende Innovationen und Investitionen“ entlang der gesamten Wertschöpfungskette schaffen. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen will die NWS folgende Ziele erreichen:

  • Wasserstofftechnologien als Kernelemente der Energiewende etablieren und regulative Voraussetzungen für ihren Markthochlauf schaffen,
  • deutsche Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit mithilfe von Forschung, Entwicklung und Technologieexport stärken sowie
  • die nationale Versorgung mit CO2-freiem Wasserstoff und dessen Derivate sichern und gestalten.

Derzeit produziert Deutschland jährlich rund 55 Terrawattstunden (TWh) Wasserstoff. Da dieser aber vorwiegend aus Erdgas und mit hohen Treibhausgasemissionen hergestellt wird, nennt man ihn bezeichnenderweise „grauen“ Wasserstoff. Für eine klimagerechte Energiewende allerdings muss dringend grüner – durch Elektrolyse unter Verwendung erneuerbaren Stroms produzierter – Wasserstoff produziert und eingesetzt werden: und zwar in hohen Mengen. Auch aus diesem Grund gaben BMWi und BMBF Anfang Oktober eine Förderrichtlinie zur finanziellen Unterstützung internationaler Wasserstoffprojekte bekannt. Mit ihr soll der Einsatz deutscher Technologien im Ausland gefördert, der Aufbau eines globalen Markts unterstützt und Strukturen für den Import vorbereitet werden. Sie ist „ein zentrales Element zur Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Denn neben einem starken Heimatmarkt setzen wir beim Markthochlauf von Wasserstoff auch auf Pilotvorhaben unserer Industrie in Partnerländern. Hier können grüner Wasserstoff und seine Folgeprodukte effizient und kostengünstig erzeugt werden“, sagte damals der ehemalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Hīkina Whakatutuki und seine H2-Vision

Als vielfältig einsetzbarer Energieträger, Energiespeicher und wesentliches Element der Sektorenkopplung wird grüner Wasserstoff auch von Neuseelands Regierung verstanden. Vor mehr als zwei Jahren bereits präsentierte dazu das Ministry of Business, Innovation and Employment (MBIE) – auf Māori auch „Hīkina Whakatutuki“ genannt –  das Grünbuch „A vision for hydrogen in New Zealand“. Darin identifiziert das MBIE auch zukünftige potenzielle Anwendungsbereiche wie etwa die saisonale Stromspeicherung, die dezentrale Stromerzeugung, den Wärmesektor, die chemische Industrie oder den Verkehr. Nachdem man sich zunächst einen ersten Überblick über Nachfrage und Angebot von Wasserstoff verschafft habe, ginge es nun im zweiten Schritt der Roadmap für Wasserstoff darum, eine Blaupause für die Entwicklung einer Wasserstoffindustrie in Neuseeland zu entwerfen, sagte Suzannah Toulmin. Im MBIE bringt sie die Energiepolitik Neuseelands voran.

 „Momentan befinden wir uns in der zweiten Phase unserer Roadmap. Das heißt, wir modellieren potenzielle Szenarien und entscheidende Schlüsselfaktoren für eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft“, so Toulmin. Mit den Ergebnissen sollen sowohl politische Entscheidungstragende als auch ausländische und heimische Investor*innen informiert und begeistert werden. Gleichwohl existieren bereits erste große Grünwasserstoffprojekte im Land: „Halcyon Power“ zum Beispiel ist der Name der ersten kohlenstofffreien Wasserstoffproduktionsanlage, die demnächst im Zentrum der Nordinsel in Betrieb geht. Auch an den großen internationalen Container- und Handelshäfen von Auckland entsteht eine Anlage zur Herstellung und Betankung von Wasserstoff. Dort soll auch in wasserstoffbetriebene Hafenausrüstung, Busse und Autos investiert werden. Indes wurden mithilfe des südkoreanischen Unternehmens Hyundai die ersten Wasserstofffahrzeuge auf Neuseelands Straßen getestet.

Der Wasserstoffmarkt der nahen Zukunft

Durchaus fördert die neuseeländische Regierung derzeit auch zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie die internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich. Enge Kooperationen mit Japan und Singapur oder Organisationen wie der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) und dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) sind hier nur prominente Beispiele. Und weil Deutschland und Neuseeland die Vision einer emissionsarmen und klimaresilienten Zukunft teilen und schließlich verwirklichen wollen, ist das Interesse seitens beider Regierungen für eine bilaterale Zusammenarbeit groß.

Julia Schellhaas, stellvertretende Referatsleiterin für Bilaterale Energiekooperation im BMWi, stellte in diesem Zusammenhang die besagte Förderrichtlinie, die Voraussetzungen für Antragstellende und die Ziele des Programms vor. Das Fördervolumen für den Zeitraum bis Ende 2024 umfasst 350 Millionen Euro. Neben Unternehmen außerhalb der EU und der EFTA-Staaten können sich auch Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen um die nicht rückzahlbaren Investitionszuschüsse für Projekte bewerben. Die deutsche Forschungsorganisation Projektträger Jülich (PtJ) unterstützt dabei die Umsetzung des Forschungs- und Innovationsförderprogramms im Auftrag von BMWi und BMBF. Aus diesem Grund standen Erik Busche und Martin Wiesenmayer, beide Wissenschaftliche Mitarbeiter beim PtJ, den Webinar-Teilnehmenden für allgemeine und detaillierte Fragen zur Verfügung.   

Nach einem Impulsvortrag von Carola Kantz, stellvertretende Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft „Power-to-X for Applications“ des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), bot sich den virtuell Anwesenden schließlich die Gelegenheit zur Vernetzung in kleineren digitalen Räumen – ein runder Abschluss dieses Events, das doch Zusammenarbeit und Wasserstoffprojekte zwischen neuseeländischen und deutschen Organisationen erleichtern wollte. Die letzte Bundesregierung ging übrigens davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren ein globaler und europäischer Wasserstoffmarkt herausbilden werde. Das wird wohl auch dringend nötig sein, denn sie stellte außerdem fest, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 einen Wasserstoffbedarf von circa 90 bis 110 TWh haben wird. Dann hoffentlich nachhaltig, also in Grün.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Ansprechpartnerin: Franziska Teichmann.