Polnische und deutsche Kommunen erleben nachhaltige Mobilität in Essen

Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2017 erkundeten polnische und deutsche Akteure aus der kommunalen Verwaltung Potenziale nachhaltiger Mobilität für lebenswerte Städte und Gemeinden. adelphi veranstaltete und moderierte den dreitägigen Workshop vom 19. bis 21. September in Essen.

22.09.2017

Drei Tage lang tauschten sich rund 35 Akteure aus der kommunalen Verwaltung, darunter einige Bürgermeister, zum Thema „Nachhaltige Mobilität als Beitrag zu kommunalem Klimaschutz“ aus. Umrahmt wurde der Workshop von der Europäischen Mobilitätswoche, die jedes Jahr im September stattfindet. Als Veranstaltungsort diente die Stadt Essen, die sich dieses Jahr „Grüne Hauptstadt Europas“ nennen darf. Die Großstadt im Zentrum des Ruhrgebiets setzt seit einiger Zeit auf Klimaschutzmaßnahmen mit besonderem Fokus auf die bessere Verknüpfung von öffentlichen Mobilitätsangeboten (Intermodalität). Dazu gehört der Ausbau des Radwegenetzes innerhalb des Regionalverbands Ruhr in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Das betrifft besonders den ersten Radschnellweg Deutschlands, RS1, der am Ende der Bauzeit das Ruhrgebiet auf einer Länge von über 100 km durchziehen wird.

Bevor es auf eine Erkundungstour auf dem Rad, zu Fuß  oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ging, veranstaltete adelphi für die Teilnehmer einen intensiven, zweitägigen Austausch mit Fachleuten. Diese zeigten sich überrascht darüber, was selbst kleinere Kommunen kurz- und langfristig schaffen können, wenn Mobilitätsmaßnahmen klug geplant und entsprechend umgesetzt werden. Hier standen vor allem Ansätze zur Förderung des Radverkehrs im Vordergrund, da auch in polnischen Städten eine zunehmend starke Nachfrage nach  einer sicheren und radfreundlichen Infrastruktur herrscht. Das Thema wird vor allem in Ballungsräumen angesichts smogbelasteter Innenstädte in den kommenden Jahren noch wichtiger. Für kleinere Gemeinden ist die Stärkung des Radverkehrs, in Polen oft parallel zum Bau von Ortsumgehungsstraßen, ein erprobtes Instrument zur Aufwertung von Ortskernen und zur Verbindung von Ortsteilen. Die Frage der Erreichbarkeit stellt schon jetzt ein „neues Paradigma der Mobilitätsplanung“ in Städten und Gemeinden dar, erklärt Mobilitätsforscher Daniel Krajzewicz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR.

Unterschiedliche Auffassungen davon, welche Rolle Elektrofahrzeugen im Verkehrsmittelmix zukommen sollte, hatten Anne Klein-Hitpaß von der Agora Verkehrswende und Marcin Korolec, ehemaliger Umweltminister Polens, der nun an der Spitze einer NGO zur Förderung der Elektromobilität steht. Gemeinsam mit dem Plenum wurde kontrovers über dieses Thema diskutiert, das derzeit aufgrund des Dieselskandals besonders deutsche Städte beschäftigt.

Bereits zum dritten Mal trafen sich die Kommunen des Projekts „Polnisch-Deutsche Kooperation im Klimaschutz und zur Luftreinhaltung in Städten“ um sich zu einem Fachthema der Niedrigemissionswirtschaft auszutauschen. Die Veranstaltung bot den Städtepartnerschaften zudem eine Plattform ihre gemeinsamen Niedrigemissionsprojekte weiterzuentwickeln. Sie stehen vor der Finalisierung ihrer Projektskizzen, wobei erste Schritte hin zur Umsetzung noch in diesem Jahr geplant sind.