Vom innovativen Moment zur Innovation Factory

Wissenstransfer, Kompetenzaufbau und Co-Creation: Die „Innovationswerkstatt“ der GIZ sucht gemeinsam mit adelphi und anderen Partnern weltweit nach innovativen digitalen Lösungen vor Ort, die einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten, um sie anschließend weiterzuentwickeln.

03.08.2022

Dank einer App Lebensmittelabfälle reduzieren, durch eine Plattform Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen kostenfrei Finanzwissen vermitteln oder mithilfe einer Software den unternehmerischen CO₂-Fußabdruck messen – lokale digitale Technologien wie diese schaffen Chancen für eine nachhaltige Entwicklung und gleichzeitig Lösungen für gesamtgesellschaftliche Herausforderungen. Sie bergen sogar das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zur schnelleren, besseren und teilweise kostengünstigeren Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) zu leisten.

Die sogenannte Innovationswerkstatt („Innovation Factory“) der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) verfolgt das Ziel, diese zum Teil noch ungenutzten Potenziale vor Ort zu erschließen und in der Zusammenarbeit in den Partnerländern über Sektoren und Regionen hinaus zu entwickeln und zu fördern. Im Rahmen von Innovationswettbewerben werden dafür zunächst Innovator*innen und deren vielversprechende digitale Lösungen identifiziert und ausgewählt. In diesem Jahr wurde der Wettbewerb in drei Ländern organisiert – Ghana, Indonesien und Mexiko.

Thematische Schwerpunkte je Land

Bewerbungen wurden aus der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und von der Regierung angenommen. Insgesamt gingen 132 Bewerbungen aus den drei Ländern ein. Gleich zwei Jurys – eine zusammengesetzt aus Mitgliedern der Innovation Factory, die andere aus lokalen Industrie- und Fachexpert*innen – haben diese gesichtet und bewertet. Für jedes Land gab es einen thematischen Schwerpunkt, der zuvor im engen Austausch mit lokalen Expert*innen sorgfältig ausgewählt wurde. Während für Ghana die „finanzielle Inklusion“ im Mittelpunkt stand, waren die Themen für Indonesien „urbane Nachhaltigkeit“ und für Mexiko „grüner Wiederaufbau“.

Als ökologisch und sozial verantwortungsbewusste Unternehmen haben die ausgewählten Start-ups mit ihren Produkten und Dienstleistungen bereits positive Auswirkungen auf die lokalen Herausforderungen und tragen zudem zu mehreren SDG-Indikatoren bei. So profitieren nicht nur lokale Gemeinden, die keine staatliche Unterstützung erhalten, von wichtigen digitalen Dienstleistungen, sondern auch oft marginalisierte Gruppen wie Frauen und Jugendliche. Darüber hinaus führen diese Start-ups den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft an.

Diese Unternehmen wurden gefördert

Ghana – finanzielle Inklusion

JidiTrust: eine interaktive Online- und Offline-Freemium-Plattform zur Unterstützung von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KKMU) durch Zugang zu kostenlosen Finanzbildungsinhalten in lokalen Sprachen

Bethniel Finance: eine Plattform, die einen nahtlosen Service für persönliches Finanzmanagement, Zugang zu Finanzdienstleistungen und Unterstützung bei der finanziellen Bildung bietet. Die Nutzer*innen können investieren, Zahlungen und Überweisungen tätigen, Geld leihen und Versicherungen abschließen

Tuusor: eine Plattform, die Kleinstkreditinstituten und Kreditgenossenschaften (Spar- und Kreditgenossenschaften, Gemeinschaftsbanken) dabei hilft, ihre Tätigkeit auf digitale Technologien umzustellen, Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen und Inhalten zur finanziellen Bildung zu erhalten und an digitalen Märkten teilzunehmen.

Indonesien – urbane Nachhaltigkeit

Surplus: eine App zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen, über die lokale Lebensmittelunternehmen ihre Überbestände und fehlerhaften Produkte mit einem Rabatt von mindestens 50 Prozent an Kund*innen verkaufen können

Buang Disini: Bereitstellung eines integrierten Abfallsammelsystems, das es der Gemeinde ermöglicht, ihren Plastikmüll mit einem proportionalen Tarif zu verkaufen, der über dem durchschnittlichen Marktwert liegt

Sealog Green Delivery: Bereitstellung von Lieferdiensten für Waren des täglichen Bedarfs mit E-Fahrrädern und E-Lastenfahrrädern

Mexiko – grüner Wiederaufbau

sinCarbono: eine Software, die die Messung des CO2-Fußabdrucks und die Energiediagnose für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vereinfacht. Sie fördert die Energieeffizienz, ermöglicht betriebliche Einsparungen und bekämpft gleichzeitig den Klimawandel

Blau: eine Anwendung, die künstliche Intelligenz nutzt, um den Betrieb und den logistischen Prozess zwischen Müll-, Abfall- und Recyclingsammelunternehmen zu automatisieren

Elica Avante: unterstützt kleine Unternehmen, Geschäfte, Restaurants und Firmen in Mexiko dabei, ihre Abfalleffizienz zu verbessern und somit abfallfrei zu werden

Nächster Schritt: Digital Innovation Launcher

Diese neun Unternehmen erhielten Zugang zum Folgeprogramm „Digital Innovation Launcher“ (DILP), um ihre Ideen und Prototypen zu verfeinern, einen tragfähigen Geschäftsplan zu erstellen und ihre nachhaltige, digitale Innovation auf den Weg zu bringen. Unterstützt wurden sie dabei von lokalen und internationalen Expert*innen. Dazu gehörten eine Reihe von Workshops, fachkundiges Mentoring und individuelles Coaching sowie zusätzliche Unterstützung zur Förderung der Skalierungsaktivitäten der Unternehmen, etwa Beratung bei Rechtsfragen oder Marketingstrategien. Ein weiterer Vorteil des DILP: Die Teilnehmer*innen hatten außerdem die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten aus verschiedenen Bereichen der sozialen und umweltfreundlichen Start-up-Community über Erfahrungen auszutauschen und zu vernetzen.

Das Projekt wurde vom Team der Innovationswerkstatt mit Unterstützung von adelphi und lokalen Partnern in den jeweiligen Ländern durchgeführt. Laut einer Umfrage unter den Workshop-Teilnehmenden hielten es alle von ihnen für sehr wahrscheinlich, dass sie das Programm einem gleichrangigen Unternehmen empfehlen würden.


Noch mehr Informationen finden Sie auf der Website der Innovation Factory.

Kontakt: Sonya Ong