Ansätze zur Bekämpfung von Plastikmüll in Meeren in Indien

Polluted river banks, India

Meeresverschmutzung durch Plastikmüll bedroht Ökosysteme, beeinträchtigt die öffentliche Gesundheit und schadet der Fischerei- und der Tourismusindustrie auf der ganzen Welt. Die großen Mengen von Kunststoffabfällen, die sich in unseren Ozeanen und Meeresökosystemen angesammelt haben, haben sowohl die Öffentlichkeit als auch politische Entscheidungsträger alarmiert. Doch trotz ehrgeizigen nationalen und internationalen Zielen werden auf lokaler Ebene häufig nur „End-of-Pipe“-Maßnahmen wie Strandreinigungen angewendet. Nun hat der indische Premierminister Narendra Modi angekündigt, das Problem der Kunststoffabfälle an der Wurzel anzugehen: mit der schrittweisen Abschaffung von Einweg-Kunststoffen bis 2022. Die nationalen Rahmenbedingungen für die Entsorgung von Kunststoffabfällen in Indien zielen außerdem darauf ab, eine erweiterte Produzentenverantwortung (Extended Producer Responsibility) und Überwachungsmechanismen einzuführen. Auch die Privatwirtschaft wird aktiv: Einige der größten indischen Produzenten von kurzlebigen Konsumgütern haben eine Entsorgungsgesellschaft für Verpackungsabfälle gegründet, um mehr Kunststoff zu sammeln und zu recyceln. Doch die Herausforderung ist groß: Indiens kunststoffverarbeitende Industrie wird im Verlauf des Jahres 2020 voraussichtlich 22 Millionen Tonnen Material produzieren. Genaue Daten über Kunststoffabfälle und insbesondere Meeresmüll sind zwar für die meisten Teile des Landes nicht verfügbar, doch das Problem zeigt sich deutlich in illegalen Deponien, Kunststoffbergen an Straßenrändern, Flüssen und Stränden sowie verstopften Entwässerungssystemen. Etwa 40 Prozent der Kunststoffabfälle in Indien werden nicht gesammelt oder sortiert. Drei der zehn Flüsse, die weltweit die meisten Kunststoffabfälle ins Meer transportieren, befinden sich in Indien. Der größte Teil dieser Abfälle wird in Städten mit schlechten kommunalen Abfallmanagementsystemen entlang eben dieser Flüsse erzeugt. 

Im Rahmen des G20-Aktionsplans wird das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zwei Projekte zur Bekämpfung der Entstehung von Meeresmüll Indien in Auftrag geben.

Das Projekt „Circular Economy Solutions Preventing Marine Litter in Ecosystems“ zielt darauf ab, Kunststoffe zu reduzieren, wiederzuverwenden und zu recyceln, um den Eintrag von Abfällen in Fluss- und Meeresökosystemen in drei indischen Staaten zu vermeiden. Unter dem Dach des indischen Ministeriums für Umwelt, Wälder und Klimawandel (MoEFCC) unterstützt das Projekt die zuständigen Regulierungsbehörden wie das Central Pollution Control Board (CPCB) und State Pollution Control Boards (SPCBs) in Kerala, Tamil Nadu und Uttar Pradesh dabei, digitale Technologien zur Quantifizierung und Verfolgung von Meeresmüll zu entwickeln und zu nutzen, die Austrittsstellen von Müll in den ausgewählten Ökosystemen zu überwachen und die erweiterte Produzentenverantwortung umzusetzen. Demonstrationsprojekte zur Reduzierung, Wiederverwendung und zum Recycling von Kunststoffen, wie Pfandrückerstattungssysteme für PET-Flaschen, Milchautomaten, Materialrückgewinnungsanlagen und die Durchsetzung grüner Prüfprotokolle, werden gemeinsam mit Herstellern von Kunststoffverpackungen und Recyclern durchgeführt. Auf nationaler Ebene werden die Kapazitäten des indischen Partnerministeriums und der „Marine Litter Cell“ für die Umsetzung eines nationalen Rahmens für die erweiterte Produzentenverantwortung gestärkt.

Das Projekt „Cities Combatting Plastic Entering the Marine Environment“ zielt darauf ab, den Eintritt von Kunststoffen und anderen nicht biologisch abbaubaren Abfallstoffen in die Umwelt zu vermeiden und bereits bestehende Praktiken zu verbessern. Die Partnerinstitutionen des BMU in Indien sind dabei das Ministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung sowie Schlüsselagenturen auf Bundesstaats- und Stadtebene, wie die städtischen Kommunalbehörden (ULBs) und die Einrichtungen für städtische Entwicklung. Das Projekt wird auf Stadt-, Bundesstaat- und nationaler Ebene durchgeführt werden. Dabei sollen Daten über recycelte und wiederverwendete Kunststoffe leichter verfügbar gemacht sowie die Handhabung dieser Stoffe verbessert werden. Zudem sollen Demonstrationsprojekte durchgeführt werden, um die Entsorgung von Kunststoffabfällen in Gewässer zu verhindern. So sollen unter anderem Sammel- und Trennsysteme sowie Materialverwertungsanlagen in den Städten Kanpur, Kochi und Port Blair eingerichtet werden.

Beide Projekte sollen 2020 beginnen, werden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt.

adelphi entwarf die Projekte, definierte die gewünschten Ergebnisse und Ziele und legte Indikatoren und Aktivitäten fest. Um eine solide Grundlage dafür zu schaffen, führte das Projektteam von adelphi nicht nur eine intensive Recherche der Fachliteratur durch, sondern auch zahlreiche Stakeholder-Meetings und Besuche vor Ort während einer zweiwöchigen Projektreise.