CAP4GI: Hebel und Potenziale in der gemeinsamen Agrarpolitik für eine bessere Unterstützung von grüner Infrastruktur, Biodiversität und Ökosystemleistungen

Braunkehlchen

Wie vermutlich kein anderer Sektor steht die Landwirtschaft vor einer Vielzahl von Herausforderungen gleichzeitig. So müssen nicht nur Treibhausgasemissionen reduziert und das Tierwohl verbessert werden. Auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels muss zeitgleich erfolgen, um die Einkommenssicherheit von Landwirt*innen nicht zu gefährden.

Der Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft schreitet bisher ebenso ungebremst voran. Grund dafür ist eine Verschlechterung oder gar das Verschwinden von Lebensräumen innerhalb und außerhalb von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Insgesamt fehlt den Arten der Agrarlandschaft so ein Mindestmaß an sogenannter grüner Infrastruktur (GI). Hierbei handelt es sich um Landschaftselemente mit hoher biologischer Vielfalt wie Hecken, Brachen, Kleinstgewässer und Ackerrandstreifen.

In der EU ist die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) das wichtigste Förderinstrument, um die Gestaltung der Agrarlandschaft zu beeinflussen. Sie macht mit rund 378 Milliarden Euro knapp ein Drittel des gesamten EU-Haushalts für 2021-2027 aus. Zugleich stellen die Zahlungen aus der GAP einen erheblichen Anteil der Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe dar. Beides verdeutlicht die Hebelwirkung, die eine Biodiversitäts-freundlichere GAP entfalten könnte.

Während das Ergebnis der aktuellen GAP-Reform von Wissenschaft und Umweltverbänden kritisch bewertet wird, bietet sich auch die Chance, ihre positiven Elemente wie Agrarumweltmaßnahmen weiter zu verbessern, zumal sie in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen werden. Hierbei muss zum einen die ökologische Steuerung auf der Landschafts- beziehungsweise Ökosystemebene verbessert werden. Zum anderen gilt es, die Förderung so zu gestalten, dass sie Umsetzungsbarrieren auf Seiten von Landwirt*innen effektiv adressiert und überwinden hilft.

Im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) des Bundesministeriums für Bildung Forschung (BMBF) zielt das Projekt CAP4GI darauf ab, Möglichkeiten zu identifizieren, mit denen die ökologische Effektivität von Maßnahmen durch einen Landschaftsansatz verbessert werden. Dabei wird insbesondere auf Stellschrauben geachtet, die es ermöglichen, Maßnahmen auf verschiedene sozio-ökonomische Situationen zu übertragen.

adelphi wird dazu mit Hilfe verschiedener Simulationsanalysen alternative Szenarien untersuchen. Der Forschungsansatz verbindet dabei sogenannte diskrete Auswahlexperimente, Einzelbetriebsanalysen sowie individuen- und agentenbasierte Modelle. Die wissenschaftlichen Arbeiten finden dabei in enger Zusammenarbeit mit Praxispartner*innen und Landwirt*innen in Thüringen und Baden-Württemberg statt.