Koexistenz von Raub- und Nutztieren sichern: Nutzung des Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) im Alpenraum

Livestock Guarding Dog

Der Schutz und das Management der vier europäischen Großraubtierarten Europäischer Braunbär (Ursus arctos), Wolf (Canis lupus), Nordluchs (Lynx lynx) und Vielfraß (Gulo gulo) ist auf EU-Ebene eine der größten Herausforderungen des Artenschutzes. Zum einen liegt das an ihren biologischen Bedürfnissen, denn ihre natürlichen Reviere sind groß und meist grenzüberschreitend. Zum anderen wird ihre Ausbreitung kontrovers diskutiert, da ihr natürliches Verhalten potenziell mit ländlichen Aktivitäten in Konflikt steht: Das Reißen von Nutztieren ist ein höchst emotional aufgeladenes Thema und der wohl größte Konflikt in Bezug auf eine friedliche Koexistenz von Mensch und Raubtier.

Als sich in weiten Teilen Europas wieder Großraubtiere ansiedelten, nahmen sich die meisten Länder dem Thema an, indem sie diejenigen entschädigten, die Verluste von Nutztieren oder Gütern erlitten. Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung – auch durch den Wissensaustausch mit Ländern, welche in der Vergangenheit erfolgreich mit Großraubtieren koexistiert haben – hat sich der Fokus von der Kompensation hin zu einer besseren Prävention von Angriffen durch Großraubtiere verlagert. Zu den Präventionsmaßnahmen zählen u.a. der Einsatz von Herdenschutzhunden und die Wiederaufnahme des Hütens und Einzäunens von Herden, vor allem bei Nacht. Präventionsmaßnahmen können durch nationale Quellen finanziert werden, jedoch nimmt eine wachsende Anzahl an Mitgliedsstaaten auch die zur Verfügung stehende Unterstützung durch den Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), die 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), in Anspruch. ELER wird finanziert von der EU und den Mitgliedsstaaten, welche (innerhalb gewisser Grenzen) selbst wählen können, welche Maßnahmen sie in die Förderung mitaufnehmen.

adelphi untersucht im Auftrag des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention, wie die Alpenländer den ELER nutzen, um sich gegen Großraubtierangriffe auf ihre Nutztiere zu schützen. Diese Studie unterstützt die Arbeit der Plattform "Große Beutegreifer, wildlebende Huftiere und Gesellschaft" (auch WISO-Plattform genannt) der Alpenkonvention.