Mehr öffentliches Bewusstsein für die EU-Naturschutzpolitik – Verwertung von EU-Daten zur Natur

Die Biodiversität, die enorme Vielfalt der uns umgebenden Ökosysteme, Arten und Gene, ist bedroht. Die EU will gegensteuern. Dabei sind die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien die wichtigsten Rechtsinstrumente, um ihre Biodiversitätsstrategie umzusetzen. Durch diese Richtlinien wurde das Natura-2000-Netz geschaffen, das weltweit größte Netz von Schutzgebieten. Obwohl EU-weite Erhebungen zeigen, dass die Öffentlichkeit den Erhalt der biologischen Vielfalt als sehr wichtig für ihr Leben und ihren Lebensunterhalt ansieht, ist zu erkennen, dass konkrete Informationen über Arten und Lebensräume sowie Schutzgebiete fehlen und die Öffentlichkeit im Allgemeinen noch nicht weiß, welche Maßnahmen sie selbst ergreifen könnte.

Dabei ist eine große Menge an Informationen verfügbar: Zu den Naturschutzdirektiven wurde ein gemeinsamer Berichtsrahmen geschaffen, der alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, den Erhaltungszustand von Vögeln, anderen geschützten Arten und Lebensräumen zu überwachen und alle sechs Jahre Bericht zu erstatten. Diese Berichterstattung erzeugt beträchtliche Datenmengen, die dazu verwendet werden, den Erhaltungszustand der Natur zu beurteilen. Die Europäische Umweltagentur (EUA) und die Europäische Kommission haben sich bereits viel Mühe gegeben, um diese Daten in einem durchsuchbaren Format öffentlich zugänglich zu machen, beispielsweise im Eionet-Portal und durch das Biodiversitäts-Informationssystem für Europa (BISE). Die schiere Menge der Informationen und die Verwendung von Fachsprache bedeuten jedoch, dass sie für ein weniger fachkundiges Publikum nicht leicht zu erschließen sind. Die relevanten Informationen zu entnehmen und sie in leicht zugänglicher und verständlicher Weise zu präsentieren ist daher der Schlüssel zu einem besseren Verständnis.

adelphi leitet eine Kooperation von Biodiversitäts-, Kommunikations- und Bildungsexpert/-innen, die sich diesem Problem widmet. Das Projekt, das von der Europäischen Kommission und der EUA geleitet wird, will vorhandene EU-Daten zur Natur besser nutzen, um das öffentliche Bewusstsein für die EU-Naturrichtlinien und das Natura-2000-Netzwerk zu stärken. Das Projekt umfasst die Entwicklung einer Reihe von Webseiten, die sich an ein weniger fachkundiges Publikum richten, und die Integration dieser Seiten in die bereits bestehende BISE-Website. Weitere Maßnahmen sind der Entwurf einer benutzerfreundlicheren Natura-2000-Karte, die die Lage und wichtige Merkmale der Natura-2000-Gebiete zeigt, sowie die Anpassung des Standardformulars für die Übermittlung von Informationen über die einzelnen Natura-2000-Gebiete. Der zweite Teil des Projekts konzentriert sich stärker auf den Bildungsbereich und die Bereitstellung von Hilfsmitteln und Produkten für Lehrerinnen und Lehrer, um sie bei der Vermittlung von Informationen über Arten, Lebensräume und Gebiete zu unterstützen.