Potenziale für CO2-Bepreisung als kostengünstige Klimaschutzmaßnahme in Ostasien

Braunkohleveredlungswerk VEB BV Espenhain mit Braunkohlekraftwerk, Brikettfabrik und Schwelerei einer der groessten Dreckschleudern der DDR. Espenhain. 20. Dezember 1989

Instrumente, mit denen der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) mit einem Preis versehen werden kann, spielen eine entscheidende Rolle als Antwort auf die Klimakrise und bei der Umsetzung der ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens. Dutzende Industrie- und Entwicklungsländer haben bereits CO2-Steuern und Emissionshandelssysteme eingeführt, um Treibhausgas-(THG-)Emissionen mit einem Preis zu versehen und ihren Beitrag zum Klimawandel auf kosteneffiziente Weise zu verringern. Doch nur etwa 20 % der globalen THG-Emissionen werden durch bisherige CO2-Bepreisungsmaßnahmen abgedeckt. Die Erhöhung dieses Anteils und der Aufbau eines Netzwerks von Instrumenten zur Kohlenstoffbepreisung sind notwendig für die Umsetzung erfolgreicher Klimaschutzmaßnahmen. Dazu benötigt es jedoch zunächst eine solide Bewertung des Potenzials der Länder, die solche Instrumente in Betracht ziehen.

Dieses von adelphi geleitete und in Kooperation mit der Duke University sowie der chinesischen Universität Hongkong durchgeführte Projekt wird vom Umweltbundesamt (UBA) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) finanziert. Es ermittelt eine solche Bewertung für ausgewählte Länder in Ostasien. Viele Länder dieser Region weisen ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen auf, während ihnen zugleich ein starkes Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahrzehnten prognostiziert wird und sie im Zentrum des globalen Warenhandelsnetzes stehen. Diese Tatsachen machen diese Länder zu einem wesentlichen Faktor für erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen auf globaler Ebene. Denn derzeit decken sie ihren steigenden Energiebedarf vor allem mit fossilen Brennstoffen ab, obwohl sie auch über ein erhebliches Potenzial an erneuerbaren Energien verfügen. Eine erfolgreiche Umsetzung von Instrumenten zur CO2-Bepreisung wird daher nicht nur die regionalen Bemühungen für den Klimaschutz unterstützen, sondern auch Anreize für kohlenstoffarme Investitionen schaffen und eine kostspielige Kohlenstoffabhängigkeit vermeiden. 

Um die Einführung, Vernetzung und letztendliche Umsetzung von Initiativen zur Kohlenstoffbepreisung in der Region zu unterstützen, wird adelphi einen analytischen Rahmen entwickeln, der auf politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, technischen und transnationalen Grundlagen beruht und sich auf Literaturrecherchen sowie die wissenschaftliche Expertise der Partner stützt. Der Analyserahmen wird anschließend in zwei Stufen angewendet. In der ersten Phase werden alle Länder der Region anhand derjenigen Komponenten des Analyserahmens bewertet, für die quantitative und qualitative Daten weitgehend vorliegen, bevor bis zu vier Länder für eine eingehende Analyse ausgewählt werden. In der zweiten Phase wird adelphi eine Feldforschung in den ausgewählten Ländern planen und durchführen. Dabei werden Interviews mit wichtigen politischen Entscheidungsträgern und Interessenvertretern vor Ort durchgeführt, die die Analyse von Daten aus primären und sekundären Quellen für die ausgewählten Länder der Fallstudie ergänzen.

Der abschließende Projektbericht und zwei Webinare, die für Ende 2021 vorgesehen sind, werden den regionalen Regierungen, die an der Einführung von Instrumenten zur Kohlenstoffbepreisung interessiert sind, eine Orientierungshilfe bieten. Sie werden zudem als wichtige Informationsgrundlage dienen, um Deutschlands Bemühungen um den Ausbau der Kapazitäten in der Region zu unterstützen.