Risikoprofil zur Klimafragilität: Mali

Nagarajan, Chitra 2020: Risikoprofil zur Klimafragilität: Mali. Berlin: adelphi.

Die Mehrheit der Regionen Malis ist derzeit von bewaffneten Konflikten betroffen. Die größte Aufmerksamkeit erregen die Konflikte im Norden und Zentrum des Landes, doch auch der Süden Malis ist von besorgniserregenden Spannungen betroffen, von denen einige in Gewalt umschlagen. Hinzu kommen eine schwache Regierungsführung, Korruption und Erpressung, vertikale sowie horizontale Ungleichheit, geschlechtsspezifische Machtverhältnisse, sozialer Ausschluss und Marginalisierung, verfestigte Armutsstrukturen, Ernährungsunsicherheit, Menschenrechtsverletzungen, eine unzureichende Versorgung mit elementaren Dienstleistungen sowie Unterentwicklung. All dies führt dazu, dass bereits bestehende Spannungen innerhalb und zwischen Gemeinschaften, zwischen den Generationen sowie zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und dem Staat verstärkt werden. Eine Normalisierung der Gewalt, zunehmende Kriminalität und erhöhte Unsicherheit sind die Folge und betreffen die Bevölkerung je nach Alter, Geschlecht, Behinderung, Ethnizität und sozioökonomischen Status auf unterschiedliche Art und Weise.

Gleichzeitig ändern sich die klimatischen Bedingungen in Mali: Die Temperaturen sind bereits erhöht, es werden erhebliche Schwankungen der Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres und Jahrzehnts sowie Extremwetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen verzeichnet. Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen haben sich diesen Schwankungen angepasst, beispielsweise durch Migration, eine Diversifizierung ihrer Lebensgrundlagen oder auch die Beteiligung an illegalem Handel. Doch die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel ist ungleich verteilt: Diejenigen, die von politischer oder wirtschaftlicher Marginalisierung betroffen sind, insbesondere  Frauen und Mädchen, können sich in der Regel schlechter an umwelt- und klimabedingte Herausforderungen anpassen, sind häufig weniger gut auf unerwartete Umwelt- und Klimaereignisse vorbereitet und können sich schlechter davon erholen. Die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung wird außerdem durch nicht konfliktsensible und die Ungleichheit verschärfende politische Strategien, die abnehmende soziale Kohäsion sowie zunehmende Konflikte, Unsicherheit und Gewalt beeinträchtigt. Zukunftsprognosen sagen noch höhere Temperaturen und Niederschlagsschwankungen voraus, die schwerwiegende Auswirkungen auf Armut und Ungleichheit, Umweltzerstörung, Biodiversität, Ernährungsunsicherheit und die Gesundheit der Bevölkerung haben und zu einer Prekarisierung von Lebensgrundlagen führen werden.

Das vorliegende Policy Brief zur Klimasicherheit geht auf die folgenden Verknüpfungen zwischen Klimawandel und Sicherheit in Mali sowie deren Auswirkungen auf Frieden und Stabilität ein: 

  • die negativen Auswirkungen von Rent Seeking auf Umweltzerstörung und Konfliktdynamiken,
  • die Verstärkung von Missständen durch nicht konfliktsensible Klima- und Umweltschutzmaßnahmen,
  • Migration als Resilienzstrategie einerseits und Ursprung von Spannungen andererseits,
  • die voraussichtliche Zunahme von Konflikten über natürliche Ressourcen,
  • die Bedrohung von Lebensgrundlagen und der sozialen Kohäsion sowohl durch Klimawandel als auch durch Konflikte.

Das Policy Brief stellt außerdem auf die folgenden Lösungsansätze für diese klimabedingten Sicherheitsrisiken vor: 

  • Durchführung einer integrierten Bewertung der Klimasicherheit, um die Zusammenhänge von Klimawandel und Konflikt im gesamten Land sowie mögliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen besser zu verstehen.
  • Verbesserung der Inklusivität, Rechenschaftspflicht und Reaktionsfähigkeit staatlicher Institutionen, einschließlich der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte in Nord- und Zentralmali.
  • Verringerung von Geschlechterungleichheit und anderen Benachteiligungen von durch den Klimawandel gefährdeten Bevölkerungsgruppen, um Gerechtigkeit zu gewährleisten und das Konfliktrisiko zu mindern.
  • Stärkung der Klimaresilienz in Südmali, um die Ausbreitung von Gewalt einzudämmen.
  • umfassendere Verankerung von Klimasicherheit im UN-Mandat für Mali, um eine höhere Wirksamkeit zu erzielen.