Situation der Abfallwirtschaft Bulgariens – Identifizierung und Transfer von abfallwirtschaftlichen Konzepten, Dienstleistungen und Produkten in EU- Beitritts- u. Kandidatenländern sowie Schwellen- und Entwicklungsländern mit wissenschaftlicher Unterstützung

Dipl.-Ing. Jan Reichenbach (INTECUS) 2017: Situation der Abfallwirtschaft Bulgariens. Identifizierung und Transfer von abfallwirtschaftlichen Konzepten, Dienstleistungen und Produkten in EU- Beitritts- u. Kandidatenländern sowie Schwellen- und Entwicklungsländern mit wissenschaftlicher Unterstützung . Umweltbundesamt.

Bulgariens Abfallwirtschaft hat sich seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahre 2007 ein gutes Stück vorwärts entwickelt. Dennoch steht sie noch immer regelmäßig in der Kritik und auch weiterhin vor großen Herausforderungen in Bezug auf die Umsetzung moderner Standards und gemeinschaftlich vereinbarte Kreislaufwirtschaftsziele. Beachtliche nationale Anstrengungen sind erkennbar, kamen allerdings über viele Jahre vorrangig in programmatischer Arbeit und der Schaffung erforderlicher Gesetzesgrundlagen und nicht durch tatsächliche regionale Umsetzungserfolge zum Ausdruck. Allein die Schaffung einer befriedigenden Entsorgungslösung für die Hauptstadt Sofia nahm lange Zeit in Anspruch und sorgte dabei mehrfach für Schlagzeilen in den Medien. Der Durchbruch zu effektiven Investitionen an dieser und anderen Stellen ist erst sehr jungen Datums. Als Indikator für den unbefriedigenden Zustand der Abfallwirtschaft des Landes wird aber vor allem der nach wie vor außerordentlich hohe Anteil der Deponierung an der Abfallentsorgung herangezogen. Weitergehende Analysen zeigen jedoch ein weitaus breiteres Spektrum an Defiziten und Problemlagen auf, die nicht zuletzt auch in der im europäischen Vergleich niedrigen Wirtschaftskraft des Landes und den in vielen Bereichen fehlenden Kapazitäten gründen.

Dies führt dazu, dass Bulgarien an vielen Stellen Verpflichtungen und selbst gesteckten Zielen für die Abfallwirtschaft bisher nicht oder nur mit starker Verzögerung nachgekommen ist, vergleichsweise schlechte Ergebnisse und Informationen für den Sektor liefert und somit schnell an den Pranger für unzureichendes abfallwirtschaftliches Handeln gelangt. Tatsache ist, dass beispielsweise eine EU-weit angelegte Bewertung zum Abfallmanagement der Mitgliedsstaaten das Land unlängst noch auf einem der letzten Plätze sah. Entlang der dabei verwendeten 18 Bewertungskriterien erhielt nur die Situation in Griechenland eine noch schlechtere Einstufung. Bulgarien, wie auch ausgewählte Städte des Landes, rangierten bei den meisten Indikatoren und Vergleichen die am Umsetzungsstand der Abfallhierarchie und weiteren abfallwirtschaftlichen Prinzipien ansetzen, häufig am unteren Ende. Oftmals stach dabei auch noch zusätzlich die mangelhafte Datenlage heraus, aufgrund derer eine abschließende Bewertung gar nicht erst möglich ist.    

Die Situationsanalyse der Abfallwirtschaft in der Republik Bulgarien versucht, das bereits Erreichte aber auch relevante Defizite und Hemmnisse eingehender zu beleuchten, um darauf aufbauend Ansatzpunkte für Kooperationen, Wissens- und Technologietransfer mit Deutschland zu identifizieren, die einer nachhaltigen Ertüchtigung der Bulgarischen Abfallwirtschaft förderlich sein können.