Energieeffizienz-Finanzierung in Europa auf dem Prüfstand

Stromstecker und das EU-Energielabel

Vor einem Jahr haben adelphi und seine Partner im Rahmen des Programms „Private Finance for Energy Efficiency“ der Europäischen Investitionsbank (EIB) begonnen, Energieeffizienz-Kapazitäten in europäischen Banken zu stärken. 365 Tage nach Programmbeginn blickt das Projektteam zurück und diskutiert die bisher gemachten Erfahrungen und die grundlegenden Herausforderungen für Energieeffizienz-Finanzierung in Europa..

Das von der Europäischen Investitionsbank (EIB) initiierte Programm unterstützt lokale Privatbanken dabei,  nachhaltig in den Energieeffizienzsektor zu investieren. Dadurch trägt das Projekt zur Umsetzung der nationalen Energieeffizienz-Aktionspläne (NEEAPs) bei, die von den EU-Mitgliedsstaaten für den Zeitraum 2014-2020 festgelegt wurden. Um diese Ziele zu erreichen, vereint das Vorhaben drei Hauptkomponenten: i) eine Kreditlinie, welche den teilnehmenden lokalen Banken zur Verfügung gestellt wird, um in energieeffiziente Projekte zu finanzieren, (ii) eine Risikobeteiligung, die einen Teil der potenziellen Verluste ausgefallener Kredite trägt und (iii) Beratungsleistungen zur Unterstützung lokaler Banken bei der Einführung von Energieeffizienz-Finanzprodukten.

In den ersten 365 Tagen des Programms erhielten drei lokale Banken in Tschechien (Komerční Banka), Spanien (Banco Santander) und Frankreich (Crédit Coopératif) Unterstützung bei der Umsetzung des Programms. Workshops wurden durchgeführt, um den Teilnehmern das „Private Finance for Energy Efficiency“ Programm und Besonderheiten der Finanzierung von Energieeffizienzprojekten vorzustellen. Darüber hinaus wurden diverse maßgeschneiderte  Instrumente, wie etwa Branchenanalysen, Investitionshandbücher, E-Learning-Module erarbeitet und angewendet, um die individuellen Bedürfnisse der Banken zu erfüllen. Ein weiterer Schwerpunkt der Unterstützungsleistungen ist die Hilfe bei der Evaluierung potenzieller Energieeffizienz-Projekte. Jedes Projekt muss bestimmte technische und wirtschaftliche Kriterien erfüllen, um finanzielle Förderung zu erhalten. Dadurch wird sichergestellt, dass nur kostengünstige Projekte, die tatsächlich Energieeinsparungen erzielen, finanziert werden. Da diese Kriterien sehr umfangreich sind, wurde eine Softwarelösung entwickelt, das Bankangestellte durch den Evaluierungsprozess leitet und anzeigt, ob ein Projekt förderwürdig ist oder nicht. Mit Hilfe dieser technischen und finanziellen Beratungsleistungen haben die lokalen Banken bereits umfangreich Kapazitäten im Bereich Energieeffizienz-Finanzierung aufgebaut und mit der Förderung erster Projekte begonnen.

Die größten Herausforderungen für Banken

Durch die Zusammenarbeit mit den Baken im letzten Jahr konnten wertvolle Eindrücke und Erfahrungen zur Energieeffizienz-Finanzierung in der EU gewonnen werden:

Einer der Hauptgründe, warum Banken mit der Umsetzung von Energieeffizienz-Kreditlinien Schwierigkeiten haben, liegt an dem komplexen und technischen Charakter dieser spezifischen Finanzierungsart. Energieeffizienz-Finanzierung erfordert technische Prozesse und Arbeitsschritte, die zu den bestehenden Arbeitsabläufen der Bank hinzukommen. Dieses zusätzliche (technische) Arbeitspensum wird oft (nicht nur) von Bankangestellten unterschätzt. Zwar garantieren detaillierte Förderkriterien die Auswahl von Projekten mit positiven Auswirkungen der Investitionen auf die Umwelt. Der "Nachteil" dieser Kriterien ist jedoch, dass Banken aufgrund der technischen Komplexität oft Probleme mit der Anwendung im Tagesgeschäft haben. Daher müssen geeignete Instrumente, wie die oben genannte Softwarelösung, entwickelt werden, um die zuständigen Bankangestellten durch den Evaluierungsprozess zu leiten und diesen zu vereinfachen.

Die Festlegung geeigneter technischer Dokumente für den Nachweis von Energieeffizienz-Projekten (z.B. Energieaudits, Gebäudeenergiezertifikate), stellt eine weitere Herausforderung dar. Diese Hürde kann vermieden werden, indem Energieeffizienz-Finanzierungsprodukte mit bestehenden nationalen Regelungen und Förderprogrammen kombiniert werden. Darüber hinaus sind oftmals schon andere positive Rahmenbedingungen wie etwa Marketing-Kampagnen vorhanden.

Die dritte wichtige Erfahrung ist, dass die Komplexität der Bewertung von Energieeffizienz-Projekten maßgeblich davon beeinflusst wird, in welchen Sektoren Projekte umgesetzt werden. So lassen sich beispielsweise Energieeffizienz-Projekte im Gebäudesektor durch standardisierbare Maßnahmen leichter bewerten als Projekte in der Industrie. Im Gegenzug gibt es im industriellen Sektor oftmals bereits vorhandene Unterlagen der Energieeffizienz-Evaluierung, wie beispielsweise Energieaudits. So müssen je nach Sektor unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden.

Ähnliche Herausforderungen – egal wo

Spannend ist, dass europäische Banken ähnliche Herausforderungen der Energieeffizienz-Finanzierung erleben wie ihre Pendants in Schwellenländern, in denen adelphi schon über viele Jahre hinweg Banken begleitet. Egal wo sich die Banken befinden, die größte Herausforderung bei der Einführung von Finanzierungsstrukturen zur Energieeffizienz stellt die technische Komplexität dar.

In den Entwicklungsländern erwies sich neben der Bewertung der Förderwürdigkeit vor allem das Monitoring und die Erfassung zuverlässiger Daten nach der Implementierung von Projekten als anspruchsvolle Aufgabe. Es bleibt abzuwarten, wie diese Herausforderung im Rahmen des Programms „Private Finance for Energy Efficiency“, das für die nächste Programmphase die Einführung eines ambitionierten Monitoring- und Verifizierungsprogramms vorsieht, gemeistert wird.

Es wird spannend bleiben, wie die europäischen Banken ihr Engagement und ihre Fertigkeiten im Bereich der Energieeffizienz-Finanzierung in den kommenden Jahren weiterentwickeln werden. Die gute Nachricht ist: Trotz den Lehren unserer Partnerbanken, dass die technische Komplexität von Projekten zunächst eine Herausforderung darstellt, können die Banken, sobald die richtigen Werkzeuge, Verfahren und Arbeitsabläufe vorhanden sind, von einem neuen und nachhaltigen Marktsegment profitieren. Sei es in Europa oder in anderen Regionen der Welt.

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