Nach der COP: Von Verlusten, Schäden und Beobachtungen

Die COP27 war eine Umsetzungs-COP. Endlich einigten sich die Staaten darauf, einen längst überfälligen Fonds für klimabedingte Verluste und Schäden (Loss and Damage) einzurichten. Sie haben aber die Chance verpasst, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten.

22.11.2022

„Die COP hat es nicht geschafft, ambitioniertere Minderungsziele zu erreichen, aber sie hat in allerletzter Minute die dringend benötigte Infrastruktur für Loss and Damage geschaffen – ein starkes Signal der globalen Solidarität für die am meisten gefährdeten Menschen.“ So fasst Dennis Tänzler, Director and Head of Programme Climate Policy bei adelphi, seine Einschätzung zur 27. UNFCCC-Klimakonferenz zusammen. Die Entscheidung, in Sachen Loss and Damage voranzukommen, ist sicherlich historisch. Aber in vielen anderen Aspekten fehlte es der Konferenz an Ehrgeiz. Hier sind seine wichtigsten Schlussfolgerungen.

Minderung

Um 1,5°C in Reichweite zu halten, müssen wir Treibhausgasemissionen sofort drastisch reduzieren. Stattdessen steigen sie weiter an. Der Globale Norden hat die Chance verpasst, auf der COP27 zu reagieren und zusätzliche Reduktionsziele festzulegen. Und der Globale Süden war nicht in der Lage, einen ehrgeizigeren COP-Beschluss bis zum Ende aufrechtzuerhalten.

Zu beobachten: die Just Energy Transition Partnership (JETP) mit Indonesien. Sie kann als Vorbild für andere Staaten dienen. Im Fokus sind auch andere Partnerschaften zur Förderung nachhaltiger Energien als Reaktion auf geopolitische Krisen, wie die deutsch-namibische Wasserstoffpartnerschaft.

Dennis Tänzler (l.) war für adelphi auf der COP27

Anpassung

Die Staaten brachten zwar ihren Willen für ein globales Anpassungsziel zum Ausdruck, aber es fehlte der COP27 an Dynamik in diesem Bereich. Die Konferenz lieferte einige Anhaltspunkte für ein solches Ziel, darunter auch Möglichkeiten zur Verfolgung von Fortschritten anhand wissenschaftlich fundierter Messgrößen. Und es wurde gefordert, den Anteil der Anpassungsfinanzierung zu erhöhen. Bislang wird Klimaanpassung noch eher dezentral gesteuert. Aber weltweit wird bereits eine Menge an lokalen Anpassungsmaßnahmen umgesetzt. Daraus entstehen wichtige Erfahrungswerte für die globale Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Finanzen

Die COP27 konzentrierte sich auf verfahrenstechnische Fragen der Finanzierung. Es gab keine wirklichen Fortschritte in Richtung neuer Ziele für die Klimafinanzierung. Aber die Staaten haben begonnen, eine längst überfällige Debatte darüber zu führen, welche Länder über die Industriestaaten hinaus ebenfalls Mittel zur Klimafinanzierung bereitstellen sollten.

Zu beobachten: JETPs als zusätzliches Instrument zur Klimafinanzierung, der jetzt im Entstehen begriffene Loss-and-Damage-Fonds und die Investitionsströme des Privatsektors, die eine immer größere Rolle spielen.

Loss and Damage

Solidarität setzte sich gegen ewige Schuldzuweisungen durch. Die Staaten haben sich darauf geeinigt, einen Fonds einzurichten. Das gibt ein wenig Hoffnung, zeigt es doch, dass die globale Klimadiplomatie funktioniert – sofern die Zivilgesellschaft, allen voran NGOs, großen Druck ausübt. Und sofern es wichtige Akteure gibt, die Pragmatismus zeigen – wie etwa die EU. Ihr Vorschlag war entscheidend für den Entschluss. Der Vorschlag folgte einigen der pragmatischen Überlegungen, die in diesem Gastbeitrag in The Hill kurz vor Beginn der COP27 dargelegt wurden.

Klima-Governance

Was bedeuten die Ergebnisse der COP27 für die Klimadiplomatie insgesamt? Sie zeigen einmal mehr, dass das derzeitige System der umherziehenden Klimakonferenz-Karawanen kein geeignetes Format mehr ist, um der Klimakrise zu begegnen – der auf absehbare Zeit größten Krise der Menschheit. Das System führt Veränderungen nicht in der Geschwindigkeit herbei, die diese Krise erfordert. Und das System macht es den Vertretern fossiler Interessen zu leicht, die Agenda zu kapern und Fortschritte zu blockieren. Daher bin ich der Meinung, dass es an der Zeit ist, das System der UNFCCC-Vertragsstaatenkonferenzen nun zu einer ständigen Versammlung der Vertragsparteien und Beobachter weiterzuentwickeln. Das habe ich hier skizziert.


Ansprechpartner: Dennis Tänzler, Director Head of Programme Climate Policy bei adelphi