Paris auf den Puls fühlen: Was auf der COP27 wichtig wird

Die 27. UN-Klimakonferenz (COP27) findet vom 6. bis 18. November im ägyptischen Scharm asch-Schaich statt. Dort werden nicht nur Vertreter*innen der internationalen Staatengemeinschaft anwesend sein, sondern auch die Expert*innen von adelphi. Und sie haben hohe Erwartungen im Gepäck.

02.11.2022

Der anhaltende Krieg Russlands gegen die Ukraine wird zweifelsohne die Verhandlungen auf der COP27 beeinflussen. Genauso die weltweite Ernährungs- und Energiekrise, neue geopolitische Entwicklungen oder die jüngsten globalen Auswirkungen des Klimawandels, wie beispielsweise die verheerende Flutkatastrophe in Pakistan. Es gibt jedoch noch andere dringende Themen, die in Ägypten zur Sprache kommen sollten.

Loss and Damage

Seit Jahrzehnten fordern die durch die Klimakrise am stärksten gefährdeten Staaten finanzielle und technische Unterstützung für absehbare Schäden und Verluste (Stichwort Loss and Damage). Die EU und die USA müssen auf der COP27 in Scharm asch-Schaich endlich die Führung in dieser Frage übernehmen und dieser Forderung nachkommen. Zum Beispiel in Form eines Globalen Solidaritätsfonds, ähnlich dem Solidaritätsfonds der EU, der nach den schweren Überschwemmungen 2002 eingeführt wurde. Das hat adelphi-Direktor und Leiter des Programms Klimapolitik Dennis Tänzler kürzlich gemeinsam mit Anne Christianson vom Center for American Progress in einem Beitrag in The Hill vorgeschlagen.

Der Emissionshandel

Die COP27 wird auch von den Bemühungen der Industriestaaten geprägt sein, die Dekarbonisierung voranzutreiben, ohne gleichzeitig Bürgerinnen und Bürger vor dem Hintergrund der Energiekrise weiter zu belasten. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung erfährt bereits politische Maßnahmen, die sowohl auf erhebliche externe Preisschocks reagieren als auch sicherstellen können, dass sich die Wirtschaft langfristig auf erneuerbare Energien umstellt. Nämlich Emissionshandelssysteme. adelphi-Experte Stefano De Clara wird in Ägypten erklären, dass es jetzt an der Zeit ist, Verpflichtungen zur Dekarbonisierung zu verdoppeln, anstatt sie zurückzuschrauben. Denn die Dekarbonisierung ist nicht die Ursache für den Anstieg der Energiepreise, sondern die Lösung.

Ein Weltklimaparlament?

Rückblende: Auf der COP26 in Glasgow zündeten die Industriestaaten ein wahres Feuerwerk an Initiativen. Die Ankündigungen betrafen Methan, Forstwirtschaft, Kohle, Verkehr und vieles mehr. Nun lautet die entscheidende Frage auf der COP27: Was ist seither passiert? Dennis Tänzler sagt: „Leider nicht viel. Die Kluft zwischen ehrgeizigen Zielen und messbaren Ergebnissen ist immer noch viel zu groß“. Seiner Meinung nach sollten sich die Delegierten daher dauerhaft treffen, in einer Art Weltklimaparlament, damit sie sich rund um die Uhr mit Fortschritten in der Klimapolitik befassen können.

Die Erwartungen

Lesen Sie im Folgenden verschiedene Standpunkte der adelphi-Expert*innen zur COP27:

„Bei der Frage von Verlusten und Schäden geht es nicht um Schuld – es geht ums Handeln. Wenn die reichen Nationen weiterhin sprichwörtlich den Kopf in den Sand stecken und sich weigern, die berechtigten Forderungen nach Maßnahmen gegen Schäden und Verluste auf der COP27 anzuerkennen, werden ihre Klimazusagen unaufrichtig erscheinen und ihr Vertrauen weiter Schaden nehmen – und was noch wichtiger ist, es werden weiterhin Leben und Lebensgrundlagen verloren gehen.“

Dennis Tänzler, Director and Head of Programme Climate Policy bei adelphi

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„Informierte Antworten auf Klima, Frieden und Sicherheit müssen auf der COP27 oberste Priorität haben. Es liegt im Sicherheitsinteresse aller, dass die durch den Klimawandel am meisten gefährdeten Staaten mehr Aufmerksamkeit erhalten.“

Janani Vivekananda, Head of Programme Climate Diplomacy and Security bei adelphi

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„Grünes Unternehmertum verdient mehr Aufmerksamkeit auf der COP27. KMU sind wichtige Triebkräfte des Wandels, aber es fehlt ihnen an politischen Signalen und Finanzmitteln, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen.“

Cosima Stahr, Senior Advisor + Co-Lead Finance bei adelphi

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„Seit Jahrzehnten wissen wir, dass wir von fossilen Energieträgern wegkommen müssen. Auch die Lösungen sind längst bekannt. Wir können eine Wiederholung der Energiekrise in Zukunft vermeiden, wenn wir heute kluge Entscheidungen treffen und schnell handeln. Die CO2-Bepreisung trägt dazu bei, Anreize für diesen Schritt zu schaffen – jetzt ist es an der Zeit, unsere Klimaverpflichtungen zu verdoppeln und den notwendigen Wandel voranzutreiben.“

Stefano De Clara, Head of the Secretariat of the International Carbon Action Partnership (ICAP)

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„Dem Durchbruch bei den Artikel-6-Verhandlungen auf der COP26 müssen nun weitere Entscheidungen folgen, etwa um die ökologische Integrität von Emissionsgutschriften zu gewährleisten und um Transparenz in Compliance wie in freiwilligen Märkten herzustellen.“

Denis Machnik, Senior Manager bei adelphi

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„Internationale Klimapolitik funktioniert nur mit den richtigen Leuten am Tisch. Transatlantische Kooperationen und Initiativen für Maßnahmen zur Eindämmung, Anpassung und Schadensbegrenzung bedeuten eine echte Führungsrolle und bringen Fortschritte, wo wir sie am dringendsten brauchen. Die COP27 ist eine Gelegenheit für die USA, der Welt zu zeigen, dass sie wirklich wieder hinter dem Pariser Abkommen stehen, und für die europäischen und kanadischen Staats- und Regierungschefs, ihre Zusagen einzuhalten.”

Tobias Bernstein, Consultant bei adelphi

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