Biodiversität besser schützen: Unterstützung für den europäischen Aktionsplan für Mensch, Natur und Wirtschaft

Feuchtgebiet, Müritz-Nationalpark, Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Biodiversität umschreibt die enorme Vielfalt an Ökosystemen, Arten und Genen, die uns umgeben. Diese Vielfalt ist weltweit bedroht: Der Verlust nicht nur von Arten und Lebensräumen, sondern auch von ganzen Ökosystemen, verzeichnet seit der Industrialisierung einen besorgniserregenden Anstieg. Durch den menschlichen Einfluss sterben Arten 100 bis 1000 Mal schneller als unter natürlichen Bedingungen. 60 Prozent der Ökosysteme sind geschädigt oder werden nicht nachhaltig genutzt. Nach neusten Schätzungen sind in der Europäischen Union nur 16 Prozent der durch die EU-Gesetzgebung geschützten Lebensräume in einem günstigen Erhaltungszustand. Die wichtigsten Instrumente der EU-Naturschutzpolitik, die darauf abzielen, diesem Biodiversitätsverlust in der EU entgegen zu wirken, sind die Vogelschutzrichtlinie sowie die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie), in der der Aufbau des Natura-2000-Netzwerkes festgelegt wurde.

Das Kernziel der Richtlinien und der übergreifenden Europäischen Biodiversitäts-Strategie, den Rückgang der Biodiversität in Europa aufzuhalten, konnte bisher jedoch nicht erreicht werden. Aus diesem Grund führte die Europäische Kommission einen sogenannten „Fitness Check“ der EU-Naturschutzrichtlinien durch, um festzustellen, ob diese ihren Zweck erfüllen. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Naturschutz-Richtlinien zwar angemessen konzipiert sind, bei ihrer Umsetzung in den Mitgliedsstaaten jedoch erhebliche Probleme auftreten. Als Antwort auf die Ergebnisse des Fitness Checks verabschiedete die Europäische Kommission im April 2017den EU-Aktionsplan für Menschen, Natur und Wirtschaft. Der Aktionsplan widmet sich den Umsetzungsproblemen und zeigt Lösungen für eine intelligente und effektive Umsetzung der EU-Naturschutz-Richtlinien vor Ort auf.

Seit Januar 2018 bis Mitte 2020 leitet adelphi ein Konsortium, welches die Europäische Kommission technisch und wissenschaftlich bei der Umsetzung der Maßnahmen 1, 2 und 13 des Aktionsplans unterstützt. Zusammen mit drei weiteren Partnern koordiniert adelphi die Aktualisierung der Leitfäden zu wesentlichen Aspekten der Habitat-Richtlinie, insbesondere in Bezug auf die Prüfung von Plänen und Projekten, die sich auf Natura-2000-Gebiete auswirken könnten (Art. 6), sowie zu den Artenschutzbestimmungen (u.a. Art. 12). Eine wichtige Empfehlung des Aktionsplans ist es, den Zugang zu Informationen zu verbessern und den Erfahrungsaustausch sowie das gegenseitige Lernen zwischen Regierungen und Interessengruppen zu unterstützen. Das Vorhaben hat daher ebenso zum Ziel, einer breiteren Öffentlichkeit Zugang zu den relevanten Materialien zu verschaffen. Zu diesem Zweck werden die Leitfäden in einer Vielzahl von EU-Sprachen zur Verfügung gestellt und breit kommuniziert. Darüber hinaus entwickelt adelphi im Rahmen des Vorhabens ein Verfahren für den Peer-to-Peer-Austausch von bewährten Praktiken zwischen Mitgliedsstaaten. Mittels Veranstaltungen und Workshops, die in Kooperation mit dem europäischen Ausschuss der Regionen und mit nationalen Behörden in den Mitgliedsstaaten veranstaltet werden, wird adelphi den Wissensaustausch und das Engagement von lokalen und regionalen Behörden für eine wirksame Implementierung der EU-Naturschutzrichtlinien fördern.