Förderung von nachhaltiger Produktion in indischen Industrien

Die großflächige Industrialisierung der letzten Jahrzehnte hat Indien tiefgreifend verändert. Doch die Veränderungen sind ambivalenter Natur und haben die Entwicklung des Landes sowohl vorangebracht als auch gehemmt: Einerseits wurde die Wirtschaft durch die Entstehung von Arbeitsplätzen und die Verbesserung der Lebensumstände der lokalen Bevölkerung angetrieben. Andererseits geht das wirtschaftliche Wachstum auf Kosten erheblicher Umweltverschmutzung – angefangen bei der Entstehung von Abfällen über steigende Luftemissionen bis hin zur unzureichenden Behandlung von industriellen Abwässern. Vor diesem Hintergrund bieten nachhaltige Produktionsmethoden zur Abfallreduktion, zur effizienten Abfallbehandlung oder zur Müllverwertung ein attraktives Win-Win-Potenzial. Werden solche Ansätze konsequent verfolgt, können die Profitabilität indischer Industrien gesteigert und gleichzeitig negative Umweltauswirkungen vermieden werden.

Das Ausmaß der Umweltverschmutzung kann lebhaft am Beispiel vierer Industrieparks in den drei indischen Staaten Delhi, Gujarat und Uttarakhand illustriert werden. Produktionsanlagen an diesen Standorten überschreiten in regelmäßigen Abständen die vorgegeben Umweltgrenzwerte. In Extremfällen kann dies den Produktionsstopp durch Exekutivanordnungen der lokalen Umweltbehörden zur Folge haben. Zwar tragen solche Stopps auf kurze Sicht zur Verringerung der Umweltbelastung bei, gefährden jedoch auch die Profitabilität der ansässigen Unternehmen und haben negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistung der betroffenen Regionen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, sich in diesen Industriegebieten für die Reduktion der Umweltauswirkungen zu engagieren und die einwandfreie Funktionsfähigkeit der Produktionsanlagen zu gewährleisten.

Im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bot adelphi und dessen Projektpartner TERI, Stenum Asia und ARECON technische und methodische Expertise zur Verbesserung der Umweltleistung an den drei genannten Industriestandorten. Im Rahmen des Projekts wurde die Umweltleistung von 40 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) erfasst. Durch Anwendung der ÖKOPROFIT Methode wurden Anlagenbetreiber für umweltfreundliche Produktionsverfahren sensibilisiert und geschult. Dabei wurde anhand von Best-Practice-Beispielen das Win-Win-Potenzial von Präventionsmaßnahmen illustriert. Darüber hinaus erhielten die indischen KMUs individuelle Beratungsleistungen zur Umsetzung der geplanten Verbesserungen. Die Auswirkungen wurden dokumentiert, evaluiert und berichtsweise mit der jeweiligen Ausgangssituation verglichen. In der Schlussphase wurden die Projektresultate in anderen Industrieparks veröffentlicht und im Rahmen mehrerer Workshops an indische Industrieverbände, Umweltbehörden und andere Interessengruppen kommuniziert.