Klimarisiken in der Tschadsee-Region: Identifizierung außenpolitischer Antworten

Thirsty cows drinking in a water hole near the village of Dagala in Chad and used by nomad tribes. The picture has been taken on 2nd of february 2017.

Die Tschadsee-Region in Westafrika erlebt derzeit eine der größten humanitären Krisen. Klimabezogene Sicherheitsrisiken und der Konflikt in der Region untergraben die Fähigkeit der Bevölkerung, die Krise zu bewältigen und vermindern dadurch den bereits eingeschränkten Zugang zu  lebenswichtigen Ressourcen. Die Durchführung von Stabilisierungsmaßnahmen wird zunehmend schwieriger, so dass die Bevölkerung der Gewalt ausgeliefert ist und anfälliger wird für negative Bewältigungsmechanismen, wie zum Beispiel die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen oder Prostitution zur Sicherung des Überlebens.

Zwar wurde die aktuelle Krise in der Tschadsee-Region durch Gewalt in Verbindung mit bewaffneten Oppositionsgruppen, wie beispielsweise „Boko Haram“ und dem „Islamischen Staat Westafrika“ ausgelöst, aber die Ursachen für die derzeitige Situation sind tief verwurzelt in der historischen Entwicklung der Region und Fragen der Regierungsführung, die durch den Klimawandel verstärkt werden.

Im März 2017 hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution zum Tschadsee verabschiedet, die den Bedarf für geeignete klimabezogene Sicherheits-“Risiko-Assessments und Risiko-Managementstrategien von Regierungen und den Vereinten Nationen“ anerkennt. Der Bericht des UN-Generalsekretärs zum Tschadsee, der im Nachgang der Resolution erschien, enthielt jedoch keine Verweise auf klimabezogene oder umweltbedingte Sicherheitsrisiken. Diese Lücke hat einige Mitglieder des Sicherheitsrates, wie zum Beispiel Schweden, dazu bewogen, unabhängige klimabezogene Sicherheits-Risiko-Assessments und Management-Strategien zu fordern um die Erkenntnisse daraus in die Entscheidungsfindung und Programmentwicklung der UN einfließen zu lassen.

Als Reaktion hierauf hat das Stockholm International Peace Research Institute (sipri), unterstützt vom schwedischen Außenministerium, adelphi beauftragt einen Forschungsbericht zu erstellen, der die aktuellen Ergebnisse zu diesen klimabezogenen Risiken in der Tschadseebecken-Region umfasst. Die zentralen Ergebnisse dieses Forschungsberichts werden in die Entscheidungsfindung und Programmentwicklung von internationalen Organisationen einfließen, so zum Beispiel in den Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu Westafrika und der Sahel. adelphis Bericht dient dazu, das außenpolitische Verständnis zu klimabedingten Sicherheitsrisiken am Tschadsee sowie in Westafrika und der Sahel zu vertiefen und dieses Wissen in zentrale Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen.

Der Bericht stützt sich auf aktuelle Ergebnisse der Feldforschung vor Ort, die von adelphi und lokalen Partnern im Nordosten Nigerias und der Tschadsee-Region durchgeführt wurde. Die Erkenntnisse zu klimabezogenen Risiken, die im Bericht zusammengefasst sind, basieren auf Klimaforschung des Centre Européen de Recherche et d’Enseignement des Géosciences de l’Environnement (CEREGE), Konsultationen mit Stakeholdern in der Region und empirischer Konfliktanalyse, die von der Grassroots Researchers Association (GRA), einer Non-Profit-Organisation aus Maiduguri, durchgeführt wurde.

Publikationen des Projekts

  • Climate change, conflict and crisis in Lake Chad

    Vivekananda, Janani 2018: Climate change, conflict and crisis in Lake Chad. In: Independent Review on European Security and Defence, 2018:30, 23-25.