Nachhaltige Seiden- und Ikatherstellung in Usbekistan und Tadschikistan

Hands of a weaver working on manual weaving loom & making Ikat - traditional Asian textile. Intangible cultural heritage. Selective focus

Usbekistan und Tadschikistan verbindet nicht nur eine lange gemeinsame Geschichte und Tradition, sondern auch die historische Seidenstraße. Die gemeinsame Seidenproduktion über die Grenzen der beiden Länder hinweg prägt die usbekische und tadschikische Textilkultur seit Jahrhunderten und bis heute. Insbesondere der Ikat – ein buntes Meisterwerk, das besonderes Kunsthandwerk im Färben und Weben der Seide erfordert – gilt als wertvolles Kulturgut der zentralasiatischen Länder. Heute allerdings sind viele der ehemaligen Seidenwertschöpfungsketten unterbrochen, und traditionelle Handwerkskunst droht weitläufig verloren zu gehen, denn nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnten beide Länder nur mühsam ihre Handels- und Geschäftsbeziehungen wieder aufbauen. Zudem sind zur Herstellung von Seidenprodukten verschiedene Nassverfahren notwendig, was Produzenten zunehmend vor Herausforderungen stellt: Beide Länder sind abhängig von den Wasserressourcen der Nachbarländer und immer häufiger von Wasserknappheit betroffen. Wichtige Wasserquellen wie der Aralsee bilden sich seit einiger Zeit stark zurück, und der Ersatz von natürlichen durch synthetische Farbstoffe in der Seidenfärbung belastet die ohnehin knappe Ressource zunehmend.

Als Projekt unter dem EU-Switch-Asia-Programm zielt „RUTSIS“ darauf ab, die Wertschöpfungsketten der Seidenherstellung über die Grenzen Usbekistans und Tadschikistans hinweg wieder zusammenzuführen und dabei Nachhaltigkeitsprinzipien einzuführen oder wiederzubeleben. Zum einen sollen dabei verstärkt biologische Färbemittel zum Einsatz kommen, zum anderen wird ein nachhaltiger Umgang mit Wasser allgemein und insbesondere das nachhaltige Management von Abwasser aus den Nassverfahren gefördert. Darüber hinaus sollen auch kreislaufwirtschaftliche Designtechniken gefördert werden. Gleichzeitig können die Länder durch einen internationalen Ansatz, der die Zertifizierung von Bio-Seide und die Verbreitung von Ikat und anderen Seidenstoffen auf lokalen und globalen Märkten vorsieht, die Position der zentralasiatischen Länder als Herkunftsregion von Seidenprodukten stärken.

adelphi ist Hauptantragssteller in diesem Projekt und wird dabei von verschiedenen Partnern aus dem internationalen und lokalen Raum unterstützt. Neben der Steuerung und Koordination des Projekts ist es adelphis Hauptaufgabe, mögliche Geschäftspartner entlang der Wertschöpfungskette zusammenzuführen sowie die Verankerung von Nachhaltigkeitsprinzipien in der Seidenproduktion voranzubringen. Unterstützt wird adelphi dabei von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Vertretern der Handelsministerien in beiden Ländern sowie Textilhandwerksvereinigungen aus Usbekistan und Tadschikistan. Mit einer Projektlaufzeit von drei Jahren werden adelphi und die Projektpartner noch bis 2023 eine aktive Rolle in diesem Projekt einnehmen.