Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Textil- und Ledersektor von Bangladesch

Der Textilsektor in Bangladesch ist in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Inzwischen hat sich das Land zum weltweit zweitgrößten Produktionsstandort für Textilbekleidung entwickelt. So hat dieser Sektor maßgeblich zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Bangladeschs beigetragen. Gleichzeitig hat die Textilproduktion und -verarbeitung in Bangladesch potenziell starke negative Umweltfolgen, weshalb diese Branche gemäß der Umweltgesetzgebung des Landes als Industrie der „roten Kategorie“ eingestuft wird. Einige der großen Umweltprobleme, die mit der Textilindustrie in Bangladesch assoziiert werden, sind Wasserverschmutzung aufgrund unzureichender Behandlung von Abwässern, Wasserverknappung durch exzessive Nutzung von Grundwasser, Luftverschmutzung sowie Verunreinigung von Böden durch unsachgemäße Entsorgung von Abfällen. Um diesen Herausforderungen nachhaltig zu begegnen, müssen alle Akteure innerhalb der Branche konzertiert zusammenarbeiten. Dazu muss aber auch ein förderlicher umweltpolitischer und gesetzlicher Rahmen sichergestellt werden. Mit Unterstützung verschiedener Entwicklungspartner bemühen sich die relevanten Umweltbehörden, die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen an den schnell wachsenden Textilsektor anzupassen. Sie versuchen zudem, regulatorische Lücken zu schließen sowie den bestehenden Bedarf an Kapazitäten und Praktiken zu decken, um eine Entwicklung hin zu einer stärkeren sektorspezifischen Unterstützung, Umsetzung und Überwachung der gesetzlichen Vorgaben zu ermöglichen.

In dieser Richtung arbeitet auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen der von der deutschen Regierung unterstützten Initiative zur Förderung der Nachhaltigkeit im Textil- und Ledersektor in Bangladesch (STILE) mit Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor in Bangladesch zusammen. Ziel dieser Aktivitäten ist es unter anderem, das „Department of Environment“ (DoE) bei der Einführung verbesserter umweltpolitischer Regulierungs- und Steuerungsinstrumente zu unterstützen sowie den Grundstein für einen möglichen umfassenden Reorganisationsprozess der Umweltbehörde zu legen. Diese Maßnahmen sollen zu den Bemühungen des DoE beitragen, die  eigenen Fähigkeiten zur Wahrnehmung der Umsetzungs- und Überwachungsaufgaben zu verbessern. Mit Blick auf die speziellen Anforderungen des Textilsektors ist dabei geplant, die Umweltgesetzgebung in sektorspezifische Richtlinien zu übersetzen sowie abzuklären, inwieweit es möglich ist, einen an die Gegebenheiten in Bangladesch angepassten „Sevilla-Prozesses“ als Motor für umweltfreundlichere Praktiken in der Textilindustrie umzusetzen.

adelphi unterstützt gemeinsam mit seinem Partner in Bangladesch, Reed Consulting, die STILE-Initiative bei diesen Bemühungen. Unter anderem konzipieren und initiieren die Projektpartner Ansätze zur Stärkung der Kapazitäten und Reorganisation der zuständigen Umweltbehörde, erarbeiten Handreichungen und Weiterbildungsprogramme und begleiten einen Multi-Stakeholder-Dialog zur möglichen Umsetzung eines lokalen „Sevilla-Prozesses“.