Risikoprofil zur Klimafragilität: Karibik

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Fuller, Carlos; Hannah Elisabeth Kurnoth and Beatrice Mosello 2020: Risikoprofil zur Klimafragilität: Karibik. Berlin: adelphi.

Die Länder der Karibik, von denen die meisten kleine Inselentwicklungsstaaten (SIDS) sind, leiden seit langem unter den zerstörerischen Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen, Starkregen, Dürre und dem Anstieg des Meeresspiegels. Die Auswirkungen des Klimawandels verstärken den Druck des Bevölkerungswachstums und der raschen Urbanisierung auf die begrenzten Landflächen und die Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieressourcen, was zu Umweltzerstörung und steigender Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Armut führt.  

Dieses Risikoprofil identifiziert drei kritische Wirkungspfade, wie der Klimawandel die Fragilität beeinflusst:

  • Klimabedingte Katastrophen können durch ihre Auswirkungen auf wirtschaftliche Schlüsselsektoren zu politischer Instabilität führen.
  • Klimaauswirkungen können zu sozialen Unruhen führen, indem sie die Existenz- und Ernährungsunsicherheit verstärken.
  • Der klimabedingte Verlust von Lebensgrundlagen könnte die Möglichkeiten für kriminelle Aktivitäten und die Herausforderungen der Urbanisierung erhöhen.

Basierend auf der Analyse in diesem Risikoprofil schlagen die Autoren vor, dass Regierungen und politische Entscheidungstragende  auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene folgende Maßnahmen ergreifen sollten, um die kombinierten Klima- und Fragilitätsrisiken anzugehen:

  1. Klimarisiken ganzheitlicher verstehen und angehen; dazu gehören größerer Anreize für Unternehmen, Klimamaßnahmen zu ergreifen, sowie mehr sektorübergreifende Zusammenarbeit und Dialog zwischen Ministerien und Regierungsabteilungen auf nationaler und lokaler Ebene.
  2. Systematischere Koordination insbesondere mit dem Sicherheits- und Verteidigungssektor, um eine sektorübergreifende Antwort auf die gesamte Bandbreite der mit dem Klimawandel verbundenen ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen, politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen zu ermöglichen.
  3. Kollaborative Bottom-up-Ansätze zur Resilienzbildung fördern und lokales Wissen und Kapazitäten in resilienzbildenden Aktivitäten und Strategien institutionalisieren, wobei auch die gleichberechtigte und sinnvolle Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und besonders gefährdeten Gruppen wie indigenen Gemeinschaften oder Menschen mit Behinderungen ermöglicht wird.
  4. Bestehende Formate und Beispiele regionaler Zusammenarbeit nutzen, um Herausforderungen der Klimasicherheit anzugehen und ein integriertes und umfassendes Risikomanagement zu fördern. 
  5. Kontinuierliches Engagement auf internationaler Ebene, um Möglichkeiten der Unterstützung zu nutzen und Partnerschaften zu etablieren, Klima- und Sicherheitsrisiken anzugehen und gleichzeitig „lessons learned“ aus der Karibik mit anderen SIDS zu teilen.