Der Weg zu wirklicher Klimaneutralität

Dr. Thomas Holzmann (mitte) im Gespräch mit den Podiumsgästen

Organisationen müssen mehr als reine CO2-Kompensationen leisten. Was ernsthaftes Klima-Engagement auszeichnet, welchen Beitrag Unternehmen und Verwaltungen dazu leisten können, und welche politischen Rahmenbedingungen förderlich sind, diskutierten sie am 25. September 2018 im Umweltbundesamt.

28.09.2018

Die internationalen Klimaschutzziele auf betrieblicher Ebene umzusetzen, erfordert größte Anstrengungen. Ein Grundhemmnis für die Entwicklung hin zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise ist mentaler Natur, denn neben der Entwicklung innovativer energie- und ressourceneffizienter Technologien müssen Verhaltensroutinen aufgebrochen werden, um ein wirksame Senkung von Treibhausgasemissionen zu erreichen.

Um die Relevanz des Themas für die 150 Veranstaltungsgäste greifbarer zu machen, lenkt Moderatorin Carla Hanus (Mitteldeutschen Zeitung) mit einer kleinen Umfrage den Blick auf deren Emissionen durch ihre An- und Abreise. Im Ergebnis erzeugt die Veranstaltung geschätzte 2.250 kg Emissionen in CO2-Äquivalent. Vorangetrieben durch den UBA-Vizepräsidenten Dr. Thomas Holzmann, dessen Verabschiedung in den Ruhestand die Konferenz gewidmet ist, setzt sich das Umweltbundesamt (UBA) das Ziel, bis zum Jahr 2030 seine CO2-Emissionen um 70 Prozent zu verringern und klimaneutral zu werden. Der Anspruch der Bundesbehörde ist, Grünfärberei zu vermeiden sowie Expertise und Vorbildfunktion für Verwaltungen und Unternehmen zu übernehmen.

„Vermeiden, verringern, kompensieren“ bringt Erfolg im Klimaschutz

„Klimaneutralität ist ein Konzept, das einen lohnenden Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, sofern die Beteiligten sich anstrengen, Treibhausgasemissionen zuerst zu vermeiden, im weiteren zu verringern und erst im letzten Schritt zu kompensieren“ erklärt Professorin Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International, Umweltaktivistin und Wegbereiterin des Umweltzeichens Blauer Engel. Politische Instrumente wie Emissionshandel, Clean Development Mechanism (CDM), aber auch EMAS können zur Zielerreichung beitragen. Um Grünfärberei von echtem Klimaengagement zu unterscheiden, plädiert sie für eine engere Verknüpfung des Umweltzeichens Blauer Engel mit dem EMAS-System und stellt in ihrer Key-Note den Auftrag an das UBA, eine solche Option zu prüfen.

Die Teilnehmenden der anschließenden Podiumsdiskussion sind sich einig, dass nur die Anwendung der Trias „Vermeiden, verringern, kompensieren“ sichtbare Erfolge beim Klimaschutz leisten kann.

Dr. Marianne Schönnenbeck, Vorsitzende des Umweltgutachterausschusses: „EMAS schafft eine Datenbasis, um festzustellen, wo man steht. Erst daraus lassen sich Ziele ableiten, wo man hin will.“ Die erhobenen Daten der EMAS-Umweltprüfung versetzen Organisationen in die Lage, von punktuellen Verbesserungen zu einem systematischeren Ansatz zu gelangen. Die externe Prüfung durch Umweltgutachterinnen und –gutachter, sowie die EMAS-Umwelterklärung bringen dabei größtmögliche Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNE) begann 2007 das EMAS-System am Hochschulstandort aufzubauen und wirtschaftet seit 2014 klimaneutral. Derzeit werden etwa 500 Tonnen unvermeidbarer CO2-Emissionen in einem Energieeffizienzprojekt für Ofenbau in Kenia, das Studierende der HNE gründeten, nach dem Goldstandard kompensiert, erklärte Professor Wilhelm-Günther Vahrson, Präsident der Hochschule.

Klimaneutralität wissenschaftlich fundiert ausgestalten

Auch das UBA nutzt das EMAS-System, um Klimaneutralität zu erreichen. Das legte der Umweltmanagementbeauftragte Dr. Burkhard Huckestein in einem Interview für emas.de, dar, bezugnehmend auf die aktuelle Umwelterklärung des UBA. Die eigenen Erfahrungen sollen anderen den Weg aufzeigen, selbst eine wirksame Klimaneutralität zu erreichen, denn: „Wir fordern anderen nicht etwas ab, was wir nicht auch selbst einhalten“, so Dr. Holzmann.

Wie das Thema „Klimaneutralität“ wissenschaftlich fundiert ausgestaltet und zur wirksamen Anwendung in Unternehmen gebracht werden kann, um die international vereinbarten Klimaschutzziele auch auf nationaler Ebene voranzutreiben, bleibt nun eine Aufgabe des UBA – jedoch zukünftig ohne sein Zugpferd aus den vordersten Reihen, Dr. Thomas Holzmann, der am 1. Oktober 2018 in den Ruhestand geht.

Weitere Informationen und Fotos der Veranstaltung (emas.de).

Über EMAS

EMAS steht für Eco-Management and Audit Scheme und ist das weltweit anspruchsvollste System für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung. Der Umweltgutachterausschuss ist ein unabhängiges Beratungsgremium des Bundesumweltministeriums. Als Multi-Stakeholder-Forum führt der UGA unterschiedliche Interessengruppen im Bereich Umweltmanagement zusammen und setzt sich aktiv für die Umsetzung und Verbreitung des europäischen Umweltmanagementsystems EMAS ein.

www.emas.de