Habitable – Linking Climate Change, Habitability and Social Tipping Points: Scenarios for Climate Migration

MANYARA, TANZANIA - NOVEMBER 28, 2011: The catastrophic mudflow destroyed a road between national parks Manyara and Ngorongoro. Car traffic was restored on the same day in Tanzania

Die Auswirkungen des Klimawandels gelten als Verstärker von Migration und Vertreibung. Die Datenlage und die Erkenntnisse über das genaue Zusammenspiel sind jedoch weiterhin begrenzt. So ist beispielsweise nicht ausreichend geklärt, wie Klimawandel, die Zerstörung von Lebensgrundlagen und politische Stabilität zusammenspielen. Auch führen die Auswirkungen des Klimawandels nicht automatisch zu steigenden Migrationsbewegungen. Die soziale und wirtschaftliche Situation der jeweiligen betroffenen Bevölkerungsgruppen spielen bei Migrationsentscheidungen ebenso eine Rolle wie übergeordnete Wahrnehmungsmuster. 

Um diese Wissenslücken zu schließen und konkrete Beiträge zur Problemlösung zu erarbeiten, wird das Forschungsvorhaben „HABITABLE – Das Zusammenspiel von Klimawandel, Bewohnbarkeit und sozialen Kipppunkten: Szenarien für Klimamigration“ in den nächsten vier Jahren im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Horizon 2020 gefördert. Das HABITABLE-Projekt ist das größte Projekt zu Klimawandel und Migration, das je im Rahmen dieses Programms gefördert wurde. Es wird von einem Konsortium aus 20 Partnern aus unterschiedlichen Disziplinen umgesetzt, darunter akademische Forschungseinrichtungen, Think Tanks, Nichtregierungsorganisationen sowie internationale Organisationen aus 17 Ländern aus Europa, West-, Ost- und Südafrika sowie Südostasien.

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage, wie sozioökologische Systeme durch gegenwärtige und zukünftige Migrationsmuster vom Klimawandel beeinflusst werden. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Migrationsbewegungen stark von der individuellen und kollektiven Wahrnehmung bezüglich Veränderungen und Risiken allgemein sowie von den verfügbaren Handlungsfaktoren abhängt. Durch die Analyse der Auswirkungen klimatischer Einflüsse auf soziale Systeme als Ganzes – einschließlich der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und demografischen Faktoren – sowie weiterer sozialpsychologischer Faktoren zielt der systemische Ansatz von HABITABLE darauf ab, angemessene und nachhaltige politische Antworten zu dem Zusammenspiel von Klima und Migration zu entwickeln.

Der Schwerpunkt von adelphis Arbeit im Rahmen von HABITABLE besteht in der Entwicklung narrativer Szenarien zu Klima und Migration für das Jahr 2050. Diese können dafür genutzt werden, je nach Szenario politische Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren und Empfehlungen für die Klima- und Migrationspolitik zu geben, um mögliche Herausforderungen in Verbindung mit den jeweiligen Szenarien zu bewältigen. Die narrativen Szenarien zu Klima und Migration werden gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Interessensgruppen sowie externen Expertinnen und Experten im Rahmen einer Workshop-Reihe entwickelt. Durch die gemeinsame Prüfung rechtlicher und politischer Optionen soll ein Beitrag dazu geleistet werden, die Verknüpfung Klima und Migration wirksam zu adressieren. Die Realisierbarkeit entsprechender Optionen wird außerdem mittels sozio-ökonomischer Analysen getestet.