Neue Studie: CO2-Preis wird akzeptiert, Klimageld weniger

Ein Forscherteam um adelphi hat die öffentliche Zustimmung zur CO2-Bepreisung und insbesondere zu unterschiedlichen Optionen für die Verwendung der Einnahmen empirisch untersucht. Dabei überraschen insbesondere die Resultate hinsichtlich des sogenannten Klimagelds.

28.02.2022

Fehlende Klimawirkung und hoher bürokratischer Aufwand: Die Deutschen beurteilten das sogenannte Klimageld – eine Ausschüttung der Mehreinnahmen aus der CO2-Bepreisung an Haushalte – negativer als andere Optionen zur Verwendung der Einnahmen. Dies ist eines der Ergebnisse einer neuen repräsentativen Befragung, die adelphi gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung durchgeführt hat.

Ein weiteres Resultat der Studie: Expertin*innen sowie einige politische Parteien befürworten das Klimageld – in der Studie als „Klimadividende“ bezeichnet – jedoch weitgehend als verhältnismäßig progressives Instrument zum sozialen Ausgleich. Einen positiven Klimaeffekt bezwecke das Klimageld wiederum nicht. Durch höheren Konsum kann der Klimaeffekt sogar negativ sein. „Die Ergebnisse zeigen, dass die CO2-Bepreisung durchaus eine hohe Akzeptanz erlangen kann, wenn sie eine gute Mischung aus Wirksamkeit, verursachergerechter Bepreisung und fairen Ausgleichsmaßnahmen erreicht. Wichtig dabei ist, dass der Zusammenhang zwischen CO2-Bepreisung und Entlastungen effektiv kommuniziert wird“, sagt adelphi-Energie-Experte Anton Barckhausen.

Bürger*innen und Expert*innen betrachten das Klimageld unterschiedlich

Dass in puncto öffentliche Kommunikation noch Handlungsbedarf besteht, findet auch Raffaele Piria, Senior Advisor und Co-Lead Energy bei adelphi: „Herauszufinden, dass das Klimageld von den Teilnehmenden vielfach als ein nicht gut verständliches und eher ungerechtes Instrument angesehen wird, ist für uns zwar überraschend gewesen, da viele Expert*innen eher vom Gegenteil ausgingen.“ Jedoch bilde die Erkenntnis eine wichtige Informationsgrundlage für eine mögliche Weiterentwicklung des CO2-Bepreisungssystems samt Verwendung der Einnahmen. 

Das Forschungsteam stellte fest, dass viele Befragten das System der CO2-Bepreisung anders interpretieren als die Expert*innen: Bürger*innen sehen die Bepreisung häufig als verursacherbezogene Abgabe und weniger als Anreiz zur Verhaltensänderung. „Dies kann schon für sich genommen die Akzeptanz beeinträchtigen“, so Piria. Die wichtigste Erkenntnis sei deshalb: „Die Politik muss sich stärker bemühen, die Gründe für die Ausgestaltung von Maßnahmen wie der CO2-Bepreisung und deren Funktionsweise allgemeinverständlich zu erläutern."

Das Projekt „COreFAKTEN“

Die Befragung und weiteren Untersuchungen wurden im Rahmen des Projekts „Gesellschaftliche Akzeptanzfragen einer Reform der Energieabgaben, -steuern und -umlagen mit CO2-Bepreisung“ (COreFAKTEN) innerhalb der vergangenen zwei Jahre durchgeführt. Ein Beirat aus Expert*innen für Klima- und Energie sowie Sozialpolitik hat das Vorhaben unterstützt. COreFAKTEN wurde im Programm Energiewende und Gesellschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (2020-2021) gefördert.

Hier können Sie den Ergebnisbericht zur Studie herunterladen.

Kontakt: Anton Barckhhausen